



Ganztagsangebot am Nachmittag fällt oft aus
66 Prozent der befragten Kolleg*innen arbeiten derzeit an einer Förderschule mit gebundenem Ganztag. Dort gibt es im Nachmittagsbereich kein offenes Ganztagsangebot, sondern der reguläre Unterricht und Freizeitphasen verzahnen sich über den gesamten Tag. Von den befragten Kolleg*innen geben insgesamt 42 Prozent an, dass schon jetzt mindestens ein Nachmittag in der Woche aufgrund von Personalmangel gekürzt wird – oder ganz ausfallen muss. Bei 17 Prozent der Befragten trifft dies aktuell auf drei oder mehr Nachmittage pro Woche zu.
Besonders treffen die Kürzungen die Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Hier sprechen insgesamt 45 Prozent der Befragten von reduzierten Betreuungszeiten. Ein Viertel aller Befragten dieser Förderschulen berichten von drei oder mehr Nachmittagen, die bereits ausfallen oder deutlich gekürzt werden müssen. Insgesamt betonen viele Befragte, dass die Förderangeboten, die die Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf brauchen, ausbleiben – selbst wenn der Nachmittagsunterricht noch stattfindet.


Für Förderung von Schüler*innen mit Förderbedarf fehlen Personal und Räume
71 Prozent der Befragten geben an, dass für ein angemessenes Förderangebot auch im Nachmittag derzeit die Fachkräfte und weiteres Personal fehlt. Auch gut 30 Prozent aller Befragten fordern eine deutliche Verbesserung der räumlichen Situation, um die Schüler*innen entsprechend ihrer Bedarfe fördern zu können. Gleichzeitig müsse aber auch die besonderen Unterstützungsbedarf der Schüler*innen in den Blick genommen werden.
Für viele Kinder und Jugendliche führt der sehr lange Schultag häufig zu enormen Belastungen. Viele Teilnehmer*innen – insbesondere aus den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung (ESE) – weisen in der Umfrage daher darauf hin, dass auch individuelle Lösungen für einzelne Schüler*innen möglich bleiben müssen.


Plätze im Offenen Ganztag reichen schon jetzt nicht aus
Von den Teilnehmer*innen der Umfrage arbeiten 23 Prozent an einer Förderschule mit einem offenen Ganztagsangebot. Dies sind vor allem Kolleg*innen an Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Emotionale und soziale Entwicklung, Sprache sowie Lernen. Die Plätze im Offenen Ganztag reichen schon jetzt – vor Beginn des Rechtsanspruchs – nicht aus.
36 Prozent der Befragten geben an, dass an ihrer Schule im Durchschnitt der letzten fünf Jahre mehr als zehn Kinder keinen Platz im Offenen Ganztag bekommen haben. Bei 3 Prozent der Befragten sind es sogar mehr als 50 Kinder pro Jahr. Die Frage, ob die Räumlichkeiten an der Schule ausreichen, um den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab dem Sommer 2026 zu erfüllen, beantworten 85 Prozent der Teilnehmer*innen der Umfrage mit Nein.
Beschäftigte sind an der Belastungsgrenze
Die Rückmeldungen der Befragten zu ihren Arbeitsbedingungen zeigen ein klares Bild:
- 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der OGS an Förderschulen ohne einen Tarifvertrag.
- Für 28 Prozent reicht die Bezahlung in der OGS an Förderschulen nicht für den Lebensunterhalt.
- 56 Prozent des Personals in der OGS an Förderschulen würden lieber mehr Stunden arbeiten.
Diese Ergebnisse bestätigen die unserer großen OGS-Umfrage von Kolleg*innen an Grundschulen und Offenen Ganztagsschulen aus dem Frühjahr 2025. Unsere Auswertung macht sehr deutlich, dass die Kolleg*innen an den Förderschulen bereits jetzt absolut am Limit sind. Oft arbeiten sie trotzdem weit über ihre Belastungsgrenze hinaus. Gerade der (sonder-)pädagogische Anspruch gegenüber den Kindern und Jugendlichen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf treibt viele dabei an und motiviert sie, sich über die Grenzen einzusetzen.
Wir fordern: Mehr Studienplätze, mehr Räume, mehr Wertschätzung, mehr Zeit
So geht es nicht weiter! Als GEW NRW fordern wir für die Förderschulen und die Beschäftigten daher:
- weitere Studienstandorte für das Lehramt Sonderpädagogik, insbesondere auch für die Fachrichtungen Geistige Entwicklung, Hören und Kommunikation, sowie Sehen und Körperlich und motorische Entwicklung,
- die Ausweitung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für die berufsbegleitende VOBASOF-Ausbildung sowie den Quereinstieg (OBAS-SF),
- mehr Ausbildungsplätze für Fachlehrer*innen an Förderschulen sowie eine gerechte und angemessene Bezahlung dieser Berufsgruppe,
- die Ausstattung der Förderschulen mit zusätzlichem multiprofessionellem Personal (beispielsweise Therapeut*innen, Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen), um ein erweitertes Förderangebot anbieten zu können,
- individuell auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnittene Räumlichkeiten,
- zeitliche Ressourcen für einen intensiven Austausch aller an der Förderung beteiligten Beschäftigten.
Es braucht gut ausgebildete Fachkräfte und sonderpädagogische Expertise
Ein angemessenes Förderangebot für Kinder mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf benötigt dringend gut ausgebildete Fachkräfte und sonderpädagogische Expertise. Daher sollten Förderschulen aus Sicht der GEW NRW perspektivisch zu Schulen mit einem gebundenen Ganztag ausgebaut werden. Hierbei sollte eine pädagogisch begründete Flexibilität erhalten bleiben.
Einordnen & verstehen
Zum Hintergrund:
Nach unserer Umfrage zum Ganztag an Grundschulen in NRW im Frühjahr 2025 haben wir auch an den Förderschulen nachgefragt: Wie funktioniert der Ganztag an Förderschulen bisher? Wie sind die Förderschulen für die Zukunft und den Rechtsanspruch auf den Ganztag aufgestellt? An unserer Umfrage haben sich rund 1.600 Beschäftigte an Förderschulen in NRW beteiligt – darunter auch 123 Schulleitungen.
Rechtsanspruch: Kurz erklärt
Alle Erstklässler*innen habe ab dem Schuljahr 2026/2027 einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Dieser Anspruch wird jedes weitere Jahr um eine Klassenstufe erweitert. Ab dem 1. August 2029 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung dann für alle Kinder im Grundschulalter.






