Essen - Neue Lernstandserhebungen in Klasse 5, die Förderung einer neuen Schreibkultur und Zielvereinbarungen zwischen Schulaufsicht und Schulleitungen: Die heute von Schulministerin Dorothee Feller vorgestellten Maßnahmen im Rahmen des „Schulkompass NRW 2030“ bringen für die Schulen weitere Aufgaben. Offen bleibt, wie die neuen Maßnahmen angesichts der hohen Belastung der Lehrkräfte und des anhaltenden Personalmangels umgesetzt werden sollen. Datengestützte Schulentwicklung braucht mehr als Daten und Ziele. Sie braucht Zeit, Personal, Räume und Geld.
„Dass Daten allein noch keine Schule besser machen, ist unstrittig. Daher ist der Ansatz der Ministerin, Daten für konkrete Entwicklungsziele zu nutzen und Schulen und Schulaufsicht darüber Zielvereinbarungen treffen zu lassen, richtig. Jedoch ist der entscheidende Punkt noch nicht genannt worden: Wie sollen die Schulen diese Ziele unter den bestehenden Bedingungen erreichen? Das Problem sind nicht die Ziele. Das Problem beginnt mit dem Weg dorthin“, erklärt die Vorsitzende der GEW NRW, Ayla Çelik. „Deshalb müssen verbindliche Zielvereinbarungen immer auch verbindliche Ressourcenvereinbarungen beinhalten. Wenn von einer Schule erwartet wird, zusätzliche Entwicklungsaufgaben aufgrund des festgestellten Förderbedarfs zu übernehmen, muss transparent und verbindlich festgestellt werden, welche zusätzlichen Möglichkeiten diese Schule dafür erhält: Welche Zeit steht zur Verfügung? Welches Personal? Welche Räume? Welche finanziellen Mittel?“
Aus Sicht der GEW NRW müssen auch die unterschiedlichen Ausgangslagen der Schulen berücksichtigt werden. „Gleiche Ziele bedeuten nicht automatisch, dass alle Schulen mit den gleichen Mitteln auskommen. Eine Schule mit hohen sozialen Belastungen, großen Förderbedarfen oder erheblichem Personalmangel benötigt möglicherweise deutlich mehr Unterstützung, um dasselbe Entwicklungsziel erreichen zu können als eine Schule unter günstigeren Bedingungen“, betont Ayla Çelik. „Hier könnte die datengestützte Schulentwicklung gerade ihren eigentlichen Wert entfalten: Daten sollten nicht nur dazu dienen, Leistungen und Entwicklungsbedarfe sichtbar zu machen, sondern ebenso dazu, Ressourcen bedarfsgerecht zu verteilen. Denn eine Zielvereinbarung allein schafft keine Förderstunde, verkleinert nicht die Klasse und stellt auch keine zusätzliche Fachkraft ein.“
Die entscheidende Konsequenz aus einem festgestellten Entwicklungsbedarf darf nicht lediglich eine neue Zielvereinbarung sein. Sie muss auch die Frage beantworten, welche Unterstützung das Land und die Schulaufsicht bereitstellen, damit dieses Ziel erreichbar wird. Bleibt die verbindliche Unterstützung aus, wird in einem bereits belasteten System zusätzlicher Druck erzeugt. „Auch heute hat die Ministerin die großen strukturellen Probleme ausgeklammert. Antworten zu den dringenden Fragen wie Lehrkräftemangel, die stetige Zunahme der Arbeitsbelastung und Überlastung der Beschäftigten ist sie schuldig geblieben. Aus meiner Sicht braucht der Schulkompass 2030 einen dringenden Belastungscheck. Wir brauchen einen Kompass, der den Schulen Orientierung gibt – aber keinen, der immer neue Aufgaben vorgibt.“







