„Es ist richtig, dass Kitas, in denen besonders viele Kinder unter erschwerten sozialen Bedingungen aufwachsen, gezielt unterstützt werden“, erklärt die Vorsitzende der GEW NRW, Ayla Çelik. „Aber ein Sozialindex allein verbessert noch keine Bildungschancen. Entscheidend ist, ob daraus tatsächlich mehr qualifiziertes Personal, mehr Zeit für individuelle Förderung und bessere Arbeitsbedingungen entstehen.“
Die Erfahrungen mit dem schulscharfen Sozialindex zeigen, dass die Erfassung sozialer Belastungen allein nicht ausreicht, um den vielfältigen pädagogischen Herausforderungen vor Ort gerecht zu werden. Aus Sicht der GEW NRW ist entscheidend, dass aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Verbesserungen und zusätzliche Unterstützung für die Einrichtungen folgen.
„Die tatsächlichen Herausforderungen in den Einrichtungen sind komplexer“, so Ayla Çelik. „Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und zusätzliche pädagogische Anforderungen lassen sich nicht allein aus Sozialdaten ableiten. Denn der Sozialindex ist ein Instrument zur Bedarfsermittlung, aber kein Indikator für die Verbesserung der pädagogischen Bedingungen in den Einrichtungen.“
Ein Kita-Sozialindex müsse deshalb mit verbindlichen, langfristig planbaren Verbesserungen verbunden werden. Kurzfristige Förderprogramme oder zusätzliche Dokumentationspflichten dürfen nicht an die Stelle einer nachhaltigen Unterstützung treten.
Zugleich warnt Ayla Çelik vor Doppelstrukturen und unverbundenen Förderinstrumenten: „Der Kita-Sozialindex und die geplanten ABC-Klassen zur frühen Sprachförderung müssen gemeinsam gedacht und in ein übergreifendes Konzept eingebettet werden. Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit dürfen nicht an Ressortgrenzen scheitern. Wir brauchen eine gemeinsame Strategie von der frühkindlichen Bildung bis zum Schulabschluss. Gerade der Übergang von der Kita in die Grundschule muss so gestaltet sein, dass Kinder kontinuierlich gefördert und gefordert werden und keine Brüche in ihrer Bildungsbiografie entstehen.“
Zudem warnt die GEW NRW davor, dass ein Kita-Sozialindex lediglich zur Umverteilung ohnehin knapper Ressourcen wird. Alle Kitas brauchen eine auskömmliche Grundausstattung. Einrichtungen mit besonderen sozialen Herausforderungen benötigen darüber hinaus zusätzliche langfristig gesicherte Unterstützung.
„Ein Kita-Sozialindex allein schafft noch keine Bildungsgerechtigkeit“, betont die Landesvorsitzende Ayla Çelik. „Entscheidend ist, ob Kinder dadurch bessere Bildungschancen erhalten und die Beschäftigten die Unterstützung bekommen, die sie für ihre Arbeit brauchen. Denn gute Bildung gelingt nur mit guten Bedingungen und ausreichenden Ressourcen.“







