„Die PISA-Ergebnisse sind ein Weckruf, aber sie sind kein Beleg dafür, dass Schulen lediglich den eingeschlagenen Kurs einfach konsequenter verfolgen müssten. Es ist wichtig, die Basiskompetenzen zu stärken, Bildungsungleichheit entschiedener zu bekämpfen und Unterricht daten- und evidenzbasiert weiterzuentwickeln“, erklärt die Landesvorsitzende der GEW NRW, Ayla Çelik. „Das kann aber nur gelingen, wenn die strukturellen Probleme handlungsleitend sind und der Diagnose die Förderung folgt. Das bedeutet, die Ziele, die aufgrund der erstellten Diagnose vereinbart werden, müssen mit entsprechenden Ressourcenvereinbarungen verlässlich hinterlegt werden. Zudem sollten wir aufhören, uns nach jeder Leistungsstudie gemeinsam zu erschrecken und von der nächsten Alarmstufe zu sprechen. An Diagnosen mangelt es nicht. Wir wissen seit Jahren, wo Probleme liegen. Entscheidend ist jetzt, aus der richtigen Problembeschreibung auch die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“
Aus Sicht der GEW NRW bedeutet dies: Schulen entsprechend ihren tatsächlichen Herausforderungen auszustatten. „Ungleiche Ausgangslagen brauchen eine ungleiche Verteilung von Ressourcen, wenn am Ende vergleichbare Chancen entstehen sollen. In Gelsenkirchen genauso wie in Düsseldorf. Alle Schulen brauchen eine stabile Grundausstattung. Darüber hinaus müssen zusätzliche Ressourcen dorthin gehen, wo der Bedarf am größten ist.“ Chancengleichheit bedeute, jedem Kind das zu geben, was es für eine erfolgreiche Bildung braucht. „Dass Schulministerin Feller die soziale Ungleichheit im Bildungssystem klar benennt und nicht vorschnell Zuwanderung für die Ergebnisse verantwortlich macht, ist richtig“, so die Landesvorsitzende. „Ebenso wichtig ist die stärkere Förderung der Basiskompetenzen und die gezielte Unterstützung von Schulen in herausfordernden Lagen. Aber klar muss sein, dass die Landesregierung für eine bessere Unterrichtsqualität die Bedingungen schaffen muss, unter denen guter Unterricht möglich ist.“
Die GEW NRW erwartet von der Landesregierung deshalb mehr als die Ankündigung, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen. „PISA darf nicht zur nächsten Aufgabenliste für Schulen werden“, mahnt Ayla Çelik. „Die Ergebnisse sollten nun handlungsleitend sein, für ausreichend qualifiziertes Personal, multiprofessionelle Teams, wirksame Entlastung und mehr Zeit für Förderung, Kooperation und Unterrichtsentwicklung.
Die Beschäftigten in den Schulen leisten unter schwierigen Bedingungen täglich hochprofessionelle Arbeit. Sie brauchen keine zusätzlichen Appelle, sondern politische Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen.“
Für die GEW NRW ist klar: Unterrichtsqualität und Arbeitsbedingungen gehören zusammen. Chancengleichheit entsteht nicht durch mehr Tests und Zielvereinbarungen allein. Gute Bildung braucht gute Bedingungen – für Schüler*innen ebenso wie für die Beschäftigten an den Schulen. Gerade in Nordrhein-Westfalen zeige sich, dass Bildungsqualität nicht unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Kommunen betrachtet werden könne. Die Debatte um den Ganztag mache deutlich, wie eng pädagogische Qualität und Infrastruktur inzwischen miteinander verbunden seien.
„Die traditionelle Trennung zwischen inneren und äußeren Schulangelegenheiten wird der Realität von Schule längst nicht mehr gerecht“, erklärt die Gewerkschafterin. „Gebäude, Ganztagsräume und digitale Infrastruktur sind unmittelbar mit der pädagogischen Qualität verbunden. Pädagogische Qualität endet nicht dort, wo kommunale Zuständigkeit beginnt. Wir brauchen deshalb eine gemeinsame Verantwortung von Bund, Land und Kommunen für gute Bildung.“
Besonders besorgniserregend ist die wachsende Zahl der Jugendlichen, die nicht über ausreichende Basiskompetenzen verfügen. Gleichzeitig schrumpft die Leistungsspitze. Die GEW NRW begrüßt, dass Nordrhein-Westfalen mit dem „Schulkompass NRW 2030“ die Basiskompetenzen stärker in den Mittelpunkt stellt und Maßnahmen wie verbindliche Lesezeiten, zusätzliche Deutsch- und Mathematikstunden sowie datengestützte Qualitätsentwicklung auf den Weg gebracht hat. „Basiskompetenzen zu stärken und Unterricht gezielt weiterzuentwickeln, ist grundsätzlich richtig. Aber Daten und neue Vorgaben allein verändern noch keinen Unterricht. Dafür brauchen Lehrkräfte Zeit für Kooperation, Fortbildung und individuelle Förderung – und Schulen ausreichend Personal und multiprofessionelle Unterstützung.
Die GEW NRW fordert deshalb einen langfristigen „10-Jahres-Plan Gute Bildung NRW“, der Bildungsfinanzierung und Personalplanung über Legislaturperioden hinweg absichert, Ressourcen konsequent nach Bedarf verteilt und die Verantwortung von Bund, Land und Kommunen verbindlich zusammenführt.







