Pressemitteilungen 16.07.2026

KiBiz-Reform und ABC-Klassen beschlossen

ChancengleichheitFrühkindliche BildungGrundschule
  • Autorin: Steffi Klaus
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GEW NRW kritisiert verpasste Chance für eine gute frühkindliche Bildung

Essen - Trotz anhaltender Kritik von Gewerkschaften, Kitaträgern, Elternvertretungen und Wissenschaftler*innen hat der nordrhein-westfälische Landtag heute die KiBiz-Reform sowie die Einführung der ABC-Klassen beschlossen.

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„Mit den Beschlüssen wurden wichtige Hinweise aus Praxis und Wissenschaft ausgeblendet“, erklärt die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW NRW, Ayla Çelik. „Gerade bei der frühkindlichen Bildung sollten politische Entscheidungen auf den Erfahrungen der Fachkräfte und wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauen. Aus Sicht der GEW NRW bleiben beide Gesetze hinter diesem Anspruch zurück, und es besteht weiterhin erheblicher Nachbesserungsbedarf.“ 

Besonders kritisch wird weiterhin die Aufteilung in Kern- und Randzeiten gesehen. „Nordrhein-Westfalen braucht ein Kinderbildungsgesetz, das Bildung verlässlich über den gesamten Kita-Alltag sichert. Qualifizierte pädagogische Arbeit darf nicht auf Kernzeiten reduziert werden, sondern braucht qualifiziertes Personal während der gesamten Zeit“, so Ayla Çelik. 

Auch die neuen Buchungsmodelle und Betreuungszeiten zwischen 25 und 45 Wochenstunden könnten zusätzliche organisatorische Herausforderungen für den Kita-Alltag mit sich bringen. Gleichzeitig sieht die GEW NRW die Gefahr, dass Kinder mit besonderem Sprachförderungsbedarf durch die Teilnahme an den ABC-Klassen zeitweise aus ihren vertrauten Gruppenstrukturen herausgerissen werden. 

„Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gelingt Sprachbildung besonders nachhaltig, wenn sie alltagsintegriert und in der vertrauten Umgebung der Kita stattfindet“, betont Ayla Çelik. „Frühkindliche Bildung lebt von stabilen Beziehungen, kontinuierlicher Förderung, verlässlichen Bezugsgruppen und qualifizierten Fachkräften. Diese Voraussetzungen sollten im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen.“

Die GEW NRW begrüßt ausdrücklich das Ziel, die Sprachkompetenz von Kindern frühzeitig zu fördern. Ob die vorgesehenen ABC-Klassen mit zweimal zwei Stunden Förderung pro Woche diesem Anspruch gerecht werden, bleibt fraglich. 

„Insbesondere Kinder mit größeren sprachlichen Entwicklungsbedarfen benötigen eine kontinuierliche, systematische und in den Kita-Alltag integrierte Förderung. Deshalb ist es wichtig, Sprachbildung dauerhaft als Kernaufgabe der Kindertageseinrichtungen zu stärken - durch zusätzliche Fachkraftstunden, kleinere Gruppen und multiprofessionelle Teams direkt in den Einrichtungen. Nur so können Kinder unabhängig von ihrer sozialen oder sprachlichen Ausgangslage bestmöglich gefördert werden. Frühkindliche Bildung ist ein entscheidender Baustein für mehr Chancengleichheit. Gerade deshalb müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass nicht nur über Chancengleichheit gesprochen wird, sondern sie sich auch in politischen Entscheidungen widerspiegelt“, mahnt die Landesvorsitzende der GEW NRW. „Eine zukunftsweisende KiBiz-Reform hätte die Chance geboten, die frühkindliche Bildung nachhaltig zu stärken. Diese Chance lässt die Landesregierung mit den geplanten Gesetzesänderungen ungenutzt.“