Pressemitteilungen 31.08.2026

GEW NRW zum Schuljahresbeginn: Bildungsversprechen müssen endlich im Alltag ankommen

BelastungChancengleichheitEntlastungLehrkräftemangel
  • Autorin: Steffi Klaus
  • Funktion: Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Mail: Steffi.Klaus@gew-nrw.de
  • Tel.: 0201 - 29403-12

Viele Maßnahmen - wenig Wirkung vor Ort

Essen / Düsseldorf – Vier Jahre nach dem Amtsantritt der schwarz-grünen Landesregierung und ihrem Versprechen, Nordrhein-Westfalen zum Bildungsland zu machen, zieht die GEW NRW eine kritische Bilanz. Die Bildungsgewerkschaft erkennt Fortschritte und richtige Weichenstellungen an, sieht aber bei den zentralen Herausforderungen erheblichen Handlungsbedarf. Was es jetzt braucht, ist eine spürbare Entlastung der Beschäftigten und eine konsequent bedarfsgerechte Verteilung von Ressourcen.

Min.

„Es ist höchste Zeit, nicht mehr nur über kurzfristige Programme und immer neue Einzelmaßnahmen zu sprechen, sondern über deren Wirkung. Am Ende des Tages zählt, was bei den Kindern und den Beschäftigten vor Ort ankommt“, erklärt die Landesvorsitzende der GEW NRW, Ayla Çelik. „Deshalb brauchen wir eine andere Logik: Weg von der Reaktion – hin zu einer langfristigen Gestaltung. Das heißt: Verlässliche Finanzierung, eine langfristige Personalplanung, gute Ausbildung, attraktive Arbeitsplätze sowie starke multiprofessionelle Teams. Deshalb fordern wir nicht erst jetzt einen über Legislaturperioden hinausgehenden ‚10-Jahres-Plan Gute Bildung NRW‘, der Planungssicherheit schafft, Bildungsfinanzierung dauerhaft stärkt sowie eine Verantwortungsgemeinschaft von Bund, Land und Kommunen.“

Zugleich erkennt die GEW NRW an, dass in den vergangenen Jahren wichtige Schritte auf den Weg gebracht wurden. Dazu gehören unter anderem die Weiterentwicklung des Sozialindex, das Startchancen-Programm, die stärkere Fokussierung auf Basiskompetenzen, die Stärkung von Schulleitungen und die Einführung von A13/EG13 für Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I. Diese Maßnahme ist zwar ein gewerkschaftlicher Erfolg für mehr Gerechtigkeit bei der Bezahlung, muss aber so ausgestaltet werden, dass keine neuen Benachteiligungen entstehen. 

Die Vorsitzende Ayla Çelik betont, dass einzelne Fortschritte nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass die strukturellen Probleme des Bildungssystems weiterhin ungelöst sind. „Noch immer entscheidet die soziale Herkunft in Nordrhein-Westfalen viel zu stark über Bildungschancen. Noch immer fehlen Fachkräfte. Noch immer gleichen Beschäftigte strukturelle Defizite mit zusätzlicher Arbeit aus. Und noch immer hängt die Qualität von Bildung davon ab, welche finanziellen Möglichkeiten eine Kommune hat.“

Nach Auffassung der GEW NRW zeigen die Herausforderungen beim Ganztag ein grundsätzliches Problem der Bildungsfinanzierung.  Die Landesvorsitzende mahnt: „Die traditionelle Trennung zwischen inneren und äußeren Schulangelegenheiten wird heutzutage der Realität von Schulen nicht mehr gerecht. Gebäude, Ganztagsräume und digitale Infrastruktur sind unmittelbar mit der pädagogischen Qualität verbunden. Pädagogische Qualität endet schließlich nicht dort, wo kommunale Zuständigkeit beginnt.“ 

Zudem versteht die GEW NRW Bildungseinrichtungen als zentrale Orte unserer Demokratie.

„In unseren Bildungseinrichtungen werden nicht nur Wissen und Kompetenzen vermittelt, sondern auch Teilhabe, Verantwortung und der Umgang mit Vielfalt gelernt. Deshalb geht Demokratie stärken nur über die Stärkung unserer Bildungseinrichtungen und das entscheidet nicht nur über die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen, sondern auch über die Zukunft unserer Gesellschaft.“