



Der Gewerkschaftstag, höchstes beschlussfassendes Gremium der GEW NRW, war nicht nur Ort intensiver Debatten, sondern auch Bühne für klare politische Weichenstellungen in einer Zeit, in der Bildungspolitik auf Bundes- und Landesebene vor enormen Herausforderungen steht. Unser Gewerkschaftstag 2026 hat deutlich gemacht: Wenn wir über die Zukunft der Bildung sprechen, dann müssen wir auch über die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sprechen. Schließlich gehören gute Bildung, gute Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe zusammen. Genau diese Verbindung zog sich wie ein roter Faden durch die Beratungen und Beschlüsse.
Die GEW NRW nimmt mit Leitantrag Landesregierung in Verantwortung
Mit dem Leitantrag Bildung in Verantwortung – Demokratie stärken. Teilhabe verwirklichen hat die GEW NRW ihren Anspruch bekräftigt, die aktuellen Krisen im Bildungssystem nicht nur zu beschreiben, sondern politische Antworten zu formulieren und von der Landesregierung entschlossenes Handeln und wirksame Maßnahmen einzufordern. Damit Bildung in Verantwortung gelingen kann, muss die Landesregierung Verantwortung für die Bildung übernehmen. Mit großem Zuspruch haben die Delegierten deutlich gemacht, dass Bildung kein Kostenfaktor, sondern eine öffentliche Zukunftsaufgabe sein muss.
Die GEW NRW und die Beschäftigten sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und die politisch Verantwortlichen nicht nur an ihre Verantwortung zu erinnern, sondern von ihnen tragfähige Lösungen einzufordern.
Die GEW NRW stimmt für Prüfverfahren der AfD
Die Delegierten setzten ein klares politisches Signal und sprachen sich dafür aus, dass sich die GEW NRW für ein Verbotsprüfverfahren gegen die AfD einsetzt. Mit diesem Beschluss unterstreicht die GEW NRW ihren Anspruch, als demokratische Organisation Verantwortung für die Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu übernehmen. Zugleich machte sie deutlich: Gegenüber Demokratiefeindlichkeit, Rassismus und menschenverachtende Ideologien können Gewerkschaften nicht neutral sein.
Die Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen und menschenverachtenden Tendenzen wird eine zentrale Aufgabe der Gewerkschaft. Demokratie muss jeden Tag verteidigt und in Bildungseinrichtungen aktiv gelebt werden. Um dafür zu sensibilisieren, haben wir die Kampagne Bildung bleibt stabil. Demokratie trainieren, Haltung zeigen. initiiert.
Für mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz
Ebenso bedeutsam war der Beschluss zum Einstieg in die Arbeitszeiterfassung. Seit Jahren erleben die Beschäftigten in den Bildungseinrichtungen eine zunehmende Arbeitsverdichtung. Die tatsächliche Arbeitszeit bleibt häufig unsichtbar und Überlastung wird zum Normalzustand. Arbeitszeiterfassung ist deshalb ein Mittel, um die Voraussetzung für einen wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu schaffen. Das Ziel muss sein, Belastung sichtbar zu machen und für Entlastung zu sorgen. Mit dem Beschluss Einstieg in die Arbeitszeiterfassung hat der Gewerkschaftstag ein wichtiges Signal für mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz gesetzt.
In die gleiche Richtung weisen der Beschluss für die Ausweitung der Befragung zu psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz (COPSOQ) auf das gesamte pädagogische Personal - ursprünglich richtete sich die Befragung nur an Lehrkräfte - sowie der Beschluss für Hitzeschutz an Schulen. Er zeigt, dass die Folgen des Klimawandels längst in den Bildungseinrichtungen angekommen sind. Schulen benötigen geeignete bauliche und organisatorische Konzepte zum Schutz der Beschäftigten und der Lernenden.
Die Digitalisierung von Schulen auf feste Füße stellen
Mehrere Beschlüsse machen deutlich, dass es nicht länger vom Engagement einzelner Personen oder von der finanziellen Leistungsfähigkeit einzelner Kommunen abhängen darf, wie es um die Digitalisierung von Schulen bestellt ist. Mit den Forderungen nach dienstlichen Endgeräten für alle Lehrkräfte und nach professioneller IT-Unterstützung durch Netzwerkadministrator*innen hat der Gewerkschaftstag die Verantwortung des Landes betont, die digitale Infrastruktur an Schulen dauerhaft und professionell abzusichern und die Kommunen bei der Erfüllung dieser Aufgabe nicht alleine zu lassen. Digitalisierung darf auf keinen Fall zu einer zusätzlichen Belastung der Beschäftigten führen, sondern muss pädagogisch sinnvoll gestaltet und organisatorisch unterstützt werden.
Mehr Ressourcen für Inklusion
Mit den Beschlüssen zum Ausbau präventiver Förderung, zur verlässlichen Gestaltung der Inklusion und zur Erweiterung der Funktionsstellen für Inklusion für alle Schulformen hat die GEW NRW deutlich gemacht, dass Inklusion nur gelingen kann, wenn die notwendigen personellen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die politische Zusage einer inklusiven Schule nur dann glaubwürdig ist, wenn sie mit entsprechenden Ressourcen hinterlegt wird. Dazu gehören insbesondere ausreichende sonderpädagogische Fachkräfte, Doppelbesetzungen, Multiprofessionelle Teams, räumliche und zeitliche Ressourcen sowie Beratungs- und Fortbildungsangebote. Der Gewerkschaftstag hat sich damit klar gegen die schleichende Vernachlässigung der Inklusion positioniert.
Gute Bildungspolitik muss Studierende im Blick haben
Dass gute Bildungspolitik auch die Lebensrealitäten der Studierenden berücksichtigen muss, zeigen die Beschlüsse, mit denen sich die Delegierten für bessere Bedingungen in Ausbildung und Studium ausgesprochen haben. Sie fordern unter anderem faire Bedingungen im Vorbereitungsdienst. Dazu gehören: eine angemessene Besoldung, eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung und transparente sowie faire Leistungsbewertungen. Des Weiteren wurde die Forderung nach einer Ferienbezahlung für Kolleg*innen bekräftigt, die nach dem Vorbereitungsdienst unmittelbar in befristete Beschäftigungen wechseln. Auch die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum für Studierende und Auszubildende verdeutlicht, dass soziale Teilhabe und gute Ausbildungsbedingungen untrennbar zusammengehören.
Gewerkschaftstag mit deutlichem politischem Signal
Aus meiner Sicht war der Gewerkschaftstag 2026 ein deutliches politisches Signal: Gute Bildung braucht mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und eine bedarfsgerechte Finanzierung. In den kommenden Jahren werden wir uns als Sprachrohr und Interessenvertretung der Beschäftigten dafür einsetzen, dass unsere Beschlüsse in konkrete politische Veränderungen münden. Die GEW NRW und die Beschäftigten sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und die politisch Verantwortlichen nicht nur an ihre Verantwortung zu erinnern, sondern von ihnen tragfähige Lösungen einzufordern.







