Sprachliche Fähigkeiten seien eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe, Lernen und erfolgreiche Bildungsbiografien. „Deshalb darf Sprachförderung nicht erst mit der Grundschule beginnen, sondern muss bereits in der Kita systematisch verankert werden.“
Dazu sei eine enge und verbindliche Zusammenarbeit zwischen frühkindlicher Bildung und Grundschule unverzichtbar. „Sprachförderung beginnt nicht erst kurz vor der Einschulung, sondern ist ein kontinuierlicher Prozess“, erklärt Ayla Çelik. „Damit es einen permanenten Informationsaustausch gibt, braucht es strukturierte Übergabeverfahren zwischen Kita und Schule, gemeinsame Förderkonzepte, klare Zuständigkeiten und ausreichend Zeit für Austausch und Abstimmung der Fachkräfte.“ Ohne diese Kooperation bestehe die Gefahr von Doppelstrukturen, Brüchen im Förderprozess und unnötiger Mehrarbeit – zulasten der Kinder und der Beschäftigten.
Zentral bleibt die Frage nach den Ressourcen. Bereits heute fehlt es in Nordrhein-Westfalen an mehreren tausend Lehr- und Fachkräften. Besonders betroffen sind die Grundschulen –also genau der Bereich, in dem die ABC-Klassen angesiedelt werden sollen. Hinzu kommen Herausforderungen, wie die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung, zusätzliche Lernstandserhebungen und der Abzug von Lehrkräften durch Vorgriffstellen.
„Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wer die ABC-Klassen tatsächlich durchführen soll, ohne dass an anderer Stelle Unterricht ausfällt oder zusätzliche Belastungen entstehen“, so Ayla Çelik. „Neue Aufgaben können nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn zusätzliches Personal bereitgestellt wird. Ansonsten besteht die reale Gefahr, dass ein ohnehin überlastetes System weiter unter Druck gerät.“
Aus Sicht der GEW NRW setzen die geplanten ABC-Klassen grundsätzlich an der richtigen Stelle an. Entscheidend ist jedoch ihre konkrete Ausgestaltung. Frühzeitige Sprachförderung kann nur dann wirksam sein, wenn sie mit zusätzlichen Ressourcen verbunden ist und auf einer verbindlichen Zusammenarbeit von Kita und Grundschule basiert. Des Weiteren erfordert die Einführung verbindlicher Sprachtests und Förderklassen besondere Sensibilität. „Sprachförderung darf nicht dazu führen, dass Kinder frühzeitig als „defizitär“ wahrgenommen oder aus dem sozialen Zusammenhang herausgelöst werden“, erklärt Ayla Çelik. „Gute Bildung entsteht nicht durch neue Vorgaben allein, sondern durch verlässliche Rahmenbedingungen für Kinder und Beschäftigte.“







