lautstark. 16.02.2024

Im Unterricht über Ängste sprechen

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Praxistipps für Lehrkräfte

Damit Lehrkräfte im Unterricht das Thema Angst und den Umgang damit behandeln sowie mit Schüler*innen gemeinsam Perspektiven entwickeln können, empfiehlt Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf, die folgenden vier Schritte zu beachten.

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  • Ausgabe: lautstark. 01/2024 | Zukunft von Bildung und Arbeit: Gute Aussichten?
  • Autor*in: Simone Theyßen-Speich
  • Funktion: freie Journalistin
Min.
  1. Der Einstieg
    Es kann verschiedene Anlässe geben, um das Thema Angst mit Schüler*innen im Unterricht zu besprechen: beispielsweise der Ausbruch eines Krieges, Konflikte innerhalb der Klasse oder der bevorstehende Schulabschluss. Zu Beginn ist es hilfreich, eine Bestandsaufnahme zu machen, indem die Kinder und Jugendlichen aufschreiben, welche Ängste sie kennen. Es ist wichtig, zunächst eine Diagnostik zu machen und nicht sofort Lösungen zu präsentieren. Wenn mehrheitlich entschieden wird, dass die Notizen nicht vor der Klasse vorgestellt werden sollen, können die notierten Ängste auch anonym beispielsweise in einen Briefkasten eingeworfen und von der Lehrkraft vorgelesen werden.

  2. Der Begriff
    Wichtig ist zu klären, was gute und was problematische Angst ist. Denn Angst funktioniert wie eine Alarmanlage des Menschen. Wenn man keine Angst hätte, würde man beispielsweise vor ein Auto laufen. Deshalb ist Angst bis zu einem gewissen Grad etwas Sinnvolles. Aber das Gefühl kann kippen und Angst dann lähmen. Sollten Lehrkräfte das bei Schüler*innen bemerken, sollten sie weiteren Rat einholen, beispielsweise über die Schulpsychologischen Beratungsstellen der Bezirksregierungen, und Eltern und Schulleitung informieren.
  3. Persönlich
    Im Anschluss an die Bestandsaufnahme und die Begriffsklärung, ist es wichtig, mit den Schüler* innen über ihre Ängste zu sprechen, ihnen zuzuhören. Dabei ist es wichtig, die Sorgen nicht als wichtiger oder unwichtiger zu bewerten. Angst vor Ausgrenzung, nicht zu einer Clique zu gehören, ist genauso wichtig, wie die große Angst vor der Zukunft. Schüler*innen erfahren so: „Ich bin nicht allein mit meiner Angst.“
  4. Perspektive
    Im nächsten Schritt geht es darum, Informationen zu sammeln, damit die Kinder und Jugendlichen bei gewissen Themen sicherer sind. Fragen, die dabei helfen können, lauten beispielsweise: Wer ermutigt mich? Wer begleitet mich? Was kann man in der Schule tun? Schüler*innen und Lehrkräfte können hier gemeinsam überlegen. Ziel ist es, zu erkennen: „Ich kann etwas machen“ und „Es gibt Unterstützung“.