Pressemitteilungen 03.06.2026

Krise der Studierendenwerke in NRW – GEW warnt vor sozialem Kahlschlag

BildungsgewerkschaftChancengleichheitHochschullehreMitbestimmung
Dozent spricht vor Studierenden im Hörsaal
  • Autorin: Steffi Klaus
  • Funktion: Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Mail: Steffi.Klaus@gew-nrw.de
  • Tel.: 0201 - 29403-12

Essen- Die Studierendenwerke in Nordrhein-Westfalen stehen seit Jahren unter massivem finanziellem Druck. Spätestens seit den landesweiten Studierendenprotesten im Jahr 2023 ist die prekäre Lage auch politisch nicht mehr zu übersehen. Ein Gutachten der Landesregierung belegt: Die finanzielle Situation der Studierendenwerke ist alarmierend.

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„Die Studierendenwerke in NRW arbeiten seit Jahren am Limit. Steigende Kosten, wachsende Studierendenzahlen und ein chronischer Investitionsstau treffen auf eine unzureichende öffentliche Finanzierung “, so Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW NRW. „Die Folgen sind für Studierende immens: zu wenig bezahlbarer Wohnraum, kontinuierlich steigende Semesterbeiträge sowie höhere Preise in Mensen und Cafeterien. Gleichzeitig werden soziale Beratungsangebote eingeschränkt und dringend benötigte KiTa-Plätze abgebaut. Das ist nichts anderes als eine systematische Aushöhlung der sozialen Infrastruktur der Hochschulen.“

Besonders kritisch bewertet die Bildungsgewerkschaft, dass eine Erhöhung der Landeszuschüsse nicht vorgesehen ist. Stattdessen werden zahlreiche Einsparmaßnahmen und Zentralisierungsvorschläge präsentiert. Die Konsequenz ist offensichtlich: Entweder werden Leistungen weiter gekürzt oder die finanziellen Belastungen werden noch stärker auf die Studierenden abgewälzt. 

„Die Studierendenwerke sind mehr als bloße Serviceeinrichtungen. Sie sind zentrale Orte des studentischen Lebens – Mensen, Cafeterien und Wohnheime schaffen Räume für Begegnung, Austausch und politische Teilhabe.  Gleichzeitig schaffen sie die Voraussetzungen dafür, dass Studieren nicht vom Einkommen der Eltern abhängt. Eine starke Hochschullandschaft ist auf starke Studierendenwerke angewiesen, Kürzungen in diesen Bereichen treffen nicht nur die Versorgung, sondern auch das soziale Gefüge an Hochschulen“, erklärt Ayla Çelik.

„Diese Entwicklung hat gravierende Konsequenzen für die soziale Öffnung der Hochschulen. Wer bei Bildung spart, verschärft soziale Ungleichheiten. Wenn Studieren zunehmend zur finanziellen Belastungsprobe wird, droht akademische Bildung wieder stärker zum Privileg weniger zu werden. Investitionen in Studierendenwerke sind daher keine optionalen Ausgaben, sondern eine öffentliche Verantwortung und notwendige Voraussetzung für gleiche Bildungschancen und gesellschaftliche Teilhabe.“

Mit großer Sorge betrachtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW NRW) auch die geplanten Änderungen in der Verwaltungsstruktur der Studierendenwerke. Künftig sollen vermehrt externe Akteur*innen aus der Wirtschaft Einfluss im Verwaltungsrat erhalten, während die Mitbestimmung von Studierenden und Beschäftigten eingeschränkt wird. Eine solche Verschiebung hin zu rein wirtschaftlichen Logiken verkennt den gesellschaftlichen Auftrag der Studierendenwerke. Diese Einrichtungen können und sollen nicht kurzfristig profitabel arbeiten – ihr Wert liegt in der langfristigen Förderung von Bildung und sozialer Teilhabe.

Die Bildungsgewerkschaft fordert daher:

  • eine nachhaltige Erhöhung der Landeszuschüsse für die Studierendenwerke,
  • den Erhalt und Ausbau sozialer Infrastruktur wie Mensen, Wohnheime und Beratungsangebote,
  • keine weitere finanzielle Belastung der Studierenden,
  • sowie die Sicherung einer starken Mitbestimmung von Studierenden und Beschäftigten in den Verwaltungsräten.