Pressemitteilungen 15.04.2026

KiBiz: Kleine Veränderungen, Fragmentierung bleibt

ChancengleichheitFrühkindliche Bildung
  • Autor Dr. Dr. Kenneth Rösen
  • Funktion Vertretung der Pressesprecherin 
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Ministerin gibt Änderungen zur KiBiz-Novelle bekannt

Essen – Noch vor der Sachverständigenanhörung im Landtag hat sich die Landesregierung der enormen Kritik gebeugt und Änderungen an der angedachten KiBiz-Novelle vorgestellt.

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Die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW NRW, Ayla Çelik, hierzu: „Die angekündigten Korrekturen am KiBiz-Entwurf sind zwar ein Zeichen dafür, dass der massive Druck aus der Öffentlichkeit, von Beschäftigten, Eltern und Gewerkschaften Wirkung zeigt. Jedoch greifen die Veränderungen aus meiner Sicht zu kurz und lösen die strukturellen Probleme der frühkindlichen Bildung nicht. Insgesamt bleibt der Gesetzentwurf trotz der Nachbesserungen hinter den Anforderungen zurück, die an ein zukunftsfähiges und gerechtes System der frühkindlichen Bildung gestellt werden müssen. Die anhaltende Unzufriedenheit mit Personalmangel und unzuverlässigen Öffnungszeiten wird so nicht nachhaltig gelöst.“ 

Allerdings hat das Ministerium zugehört und auch positive Konsequenzen gezogen. „Positiv ist anzuerkennen, dass die Landesregierung auf die breite Kritik reagiert. Zusätzliche Mittel in Ausbildung sowie die geplante Entlastung durch Alltagshelfer*innen für alle Einrichtung sind gute Ansätze. Auch die Einsicht, dass die Sprachförderung gestärkt werden muss, geht in die richtige Richtung“, so Çelik weiter.

An der fragwürdigen Aufteilung in Kern- und Randzeiten hält die Landesregierung allerdings fest. Die Gewerkschafterin kritisiert: „Dennoch bleibt der Kern der Reform aus unserer Sicht problematisch: die Ausweitung der sogenannten Kernzeiten von 25 auf 35 Stunden wertet weder die Qualität der frühkindlichen Bildung auf, noch reduziert sie bestehende Ungleichheiten im Bildungssystem. Denn auch wenn das Modell formal freiwillig bleibt, wird aus es aus unserer Sicht in der Praxis zu einer Zweiteilung führen: finanzstarke Kommunen und Träger werden die erweiterten Kernzeiten mit qualifiziertem Personal umsetzen können. Strukturschwache und arme Kommunen werden dazu kaum in der Lage sein. Gerade dort, wo Kinder ohnehin mit schlechten Startbedingungen aufwachsen, droht damit eine weitere Benachteiligung, die mit einer vorprogrammierten schlechteren Qualität der frühkindlichen Bildung einhergehen würde. Das ist bildungspolitisch inakzeptabel. Als Bildungsgewerkschaft fordern wir daher weiterhin grundlegende Nachbesserungen: eine klare Abkehr vom Kern-Randzeiten-Modell, verbindliche Qualitätsstandards über den gesamten Betreuungstag hinweg sowie eine solidarische Finanzierung, die Chancengleichheit tatsächlich gewährleistet – insbesondere für Kinder in benachteiligten Kommunen.“