Pressemitteilungen 02.03.2026

GEW NRW Umfrage zum Ganztag an Förderschulen

FörderschuleLehrkräftemangelSonderpädagogik
  • Autorin: Steffi Klaus
  • Funktion: Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Mail: Steffi.Klaus@gew-nwr.de
  • Tel.: 0201 - 29403-12

Personalnot und Raummangel belasten Beschäftigte - individuelle Förderung wird ausgebremst

Essen – Wie funktioniert der Ganztag an Förderschulen in NRW? Welche Herausforderungen erleben die Beschäftigten, und wo besteht akuter Handlungsbedarf? Eine aktuelle Umfrage der GEW NRW zeigt: Für die gezielte Förderung von Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf fehlt es vor allem an Personal und geeigneten Räumen.

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„Unsere Auswertung macht sehr deutlich, dass die Kolleg*innen an den Förderschulen bereits jetzt absolut am Limit sind“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der GEW NRW, Stephan Osterhage-Klingler. „Viele Kolleg*innen arbeiten weit über ihre Belastungsgrenze hinaus. Insbesondere der hohe pädagogische Anspruch und die Verantwortung gegenüber den Schüler*innen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf motivieren sie hierzu.“

An den knapp 500 Förderschulen in Nordrhein-Westfalen sind derzeit rund 1.100 Stellen für Sonderpädagog*innen unbesetzt. Besonders betroffen sind Schulen mit den Förderschwerpunkten geistige und körperlich-motorische Entwicklung. Zusätzlich fehlen an diesen Schulen rund 250 Fachlehrer*innen, also Fachkräfte, die kein reguläres Lehramtsstudium (z.B. Sonderpädagogik) absolviert, aber eine eigene praxisorientierte Ausbildung für den Einsatz an Förderschulen durchlaufen haben. Gerade an Schulen mit komplexem Unterstützungsbedarf sind sie eine wichtige Säule bei der Förderung der Schüler*innen. 

„Während die Schüler*innenzahlen steigen, verschärft sich der Fachkräftemangel weiter“, mahnt Stephan Osterhage-Klingler. „Die Folgen sind gravierend: strukturelle Überlastung der Beschäftigten, gesundheitliche Belastungen und eine zunehmend gefährdete Qualität der Förderung für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf.“

Rund 1.600 Beschäftigte an Förderschulen in NRW haben sich an unserer Umfrage beteiligt. 66 % der befragten Kolleg*innen arbeiten an Förderschulen mit einem gebundenen Ganztag. Für viele Schüler*innen – insbesondere mit Schwerstmehrfachbehinderungen – ist eine durchgehende Betreuung bis 15. 30 Uhr unverzichtbar und auch vorgesehen.

Doch die Realität sieht anders aus: Von den befragten Kolleg*innen geben insgesamt 42 % an, dass mindestens ein Nachmittag in der Woche aufgrund von Personalmangel gekürzt wird, oder ganz ausfällt. Bei 17 % der Befragten trifft dies aktuell auf drei oder mehr Nachmittage pro Woche zu. Die Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung sind hier besonders betroffen. „Wir sind an einem Kipppunkt angelangt“, so Stephan Osterhage-Klingler. „Immer mehr Förderschulen müssen aufgrund des Personalmangels Nachmittage und Förderangebote kürzen oder streichen. Hierunter leiden gerade die Kinder und Jugendlichen, die diese Förderung besonders nötig haben und ihre Familien.“ 

Aber auch im offenen Ganztag reichen die Plätze - ein halbes Jahr vor Beginn des Rechtsanspruchs - nicht aus. Über ein Drittel der befragten Kolleg*innen gab an, dass an ihrer Förderschule im Durchschnitt der letzten fünf Jahre mehr als zehn Kinder keinen Platz im Offenen Ganztag bekommen haben. Neben ausreichend Personal fehlt es dabei zusätzlich an Räumlichkeiten, die auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten sind. 

„Ganztag ist mehr als Betreuung - er bedeutet Bildung und Teilhabe,“ so Stephan Osterhage-Klingler. „Deshalb fordert die GEW NRW den konsequenten Ausbau der Ausbildungskapazitäten im Lehramt Sonderpädagogik sowie für Fachlehrkräfte, bessere Bedingungen für Quer- und Seiteneinstieg und eine faire Bezahlung für die Fachlehrkräfte an Förderschulen.“

Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf brauchen starke Teams und verlässliche Rahmenbedingungen: Mehr multiprofessionelle Unterstützung, geeignete Räume und ausreichend Zeit für Zusammenarbeit und Förderung sind hier unverzichtbar!