Unterrichtspraktische Prüfung (UPP)

Im Kern ist sie nichts anderes als eine Lehrprobe. Die am Prüfungstag zu absolvierenden Lehrproben werden als Unterrichtspraktische Prüfung (UPP) bezeichnet. Anders als bei den Lehrproben ist nun jedoch der ganze Prüfungsausschuss beim Unterricht dabei. Nach der UPP führen Prüfling und Prüfungsausschuss (vor der Bewertung) ein Gespräch von etwa 15 Minuten, in dem Planung und Durchführung des Unterrichts reflektiert werden. Das ist gut so, denn eine reflektierte und selbstkritische Betrachtung des Unterrichts gehört zu den Kernkompetenzen einer guten Lehrkraft (Kompetenz 10 im Handlungsfeld 6 Kompetenzen und Standards für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst und die Staatsprüfung).

Ergebnis der Staatsprüfung/Einzelnoten

Die Grafik (siehe Seite 12) verdeutlicht, wie sich die Endnote aus den „Langzeitbeurteilungen im Vorbereitungsdienst“ und den „Beurteilungen in der Prüfung“ zusammensetzt (OVP §34).
Wichtige Punkte dabei sind:

  • Vom ZfsL gibt es eine zusammengefasste Langzeitbeurteilung mit Note, in die die beiden Fachbeurteilungen mit Note eingehen. Darin werden nicht nur die fachlichen, sondern auch die überfachlichen Kompetenzen in ihrer Gesamtheit beurteilt (§16(2) OVP). Die Fachleiter*innen sollen nach Beratung untereinander der Leitung des ZfsL einen gemeinsamen Vorschlag mit Endnote vorlegen. Ist das begründet nicht möglich, wird der Vorschlag der zuständigen Seminarleitung vorgelegt.
  • Zur Langzeitbeurteilung der Schule siehe unter → Schulleitung.
  • Die Langzeitbeurteilungen haben neben glatten Notenstufen jeweils eine mögliche Zwischennote (1,5, 2,5 oder 3,5). Das Gesamtergebnis des Examens wird auf zwei Dezimalstellen berechnet.
  • Die beiden schriftlichen Arbeiten werden mit je 5 % bewertet.
  • Die beiden Unterrichtspraktischen Prüfungen (UPPs) fallen mit je 15 % ins Gewicht, das Kolloquium mit 10 %.

Die LAA erhalten ein Exemplar beider Langzeitbeurteilungen von Schule und ZfsL und aller Beurteilungsbeiträge von Fachleitern*innen und Ausbildungslehrern*innen. Die beiden Langzeitbeurteilungen müssen im Schnitt mindestens „ausreichend“ (4,0) sein, sonst gilt die Staatsprüfung ohne Prüfungsleistungen als nicht bestanden (§16(5) OVP).

Über den jeweiligen Ausbildungsstand während der Ausbildung kannst du jederzeit von den Ausbilder*innen und der Schulleitung Auskunft verlangen. Dieses Recht ist Bestandteil der OVP (§10(5)) und damit verbindlicher Teil der Ausbildungsberatung.

Kolloquium

Den Abschluss des Prüfungstages bildet das Kolloquium. Nach den beiden → unterrichtspraktischen Prüfungen (UPPs) erfolgt am gleichen Tag noch eine mündliche Prüfung von 45 Minuten. „Es soll dem Prüfling ermöglichen, sich mit komplexen pädagogischen Fragestellungen auseinander zu setzen, und zeigen, dass er die geforderten Standards erreicht hat. Das Kolloquium bezieht sich auf zentrale Bereiche des beruflichen Handelns und ist so auszurichten, dass die Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit beruflichen Situationen theoriegeleitet nachgewiesen werden kann.“ (OVP § 33(1) und (2)) Die Themen der Prüfung orientieren sich an den → Kompetenzen und Standards für die Ausbildung.

Prüfungsausschuss

Die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses bestimmt § 31 OVP: eine vorsitzende Person (meist die Schulleitung) und zwei Seminarausbilder*innen. Jedes Fach des Prüflings muss mindestens einmal vertreten sein. Problematisch erscheint, dass der Prüfungsausschuss aus mindestens zwei Fremdprüfer*innen besteht, die an der Ausbildung der Lehramtsanwärter*innen (LAA) nicht beteiligt sind. Dadurch ist die Kenntnis des Prüflings und der Zusammenhang zur Ausbildung deutlich eingeschränkt. Zufallsgesichtspunkte spielen nun potentiell eine größere Rolle. Werden z.B. die richtigen Fragen gestellt? Dies gilt insbesondere für das abschließende Kolloquium. Merkwürdigerweise können Seminarleiter*innen nicht Vorsitzende des Prüfungsausschusses sein. Sinnvoll ist, dass der Prüfling die bekannte Seminarvertretung vorschlagen kann, d.h. der Fall, dass er die Fachleiter*innen nicht dabei haben möchte, ist mit vorgesehen. Dann sind allerdings drei Fremdprüfer*innen nötig.

Prüfungstag

Das gesamte Prüfungsverfahren – unterrichtspraktische Prüfungen (UPP) und Kolloquium – wird an einem Tag im letzten  Halbjahr der Ausbildung durchgeführt. Am Ende dieses Tages werden die fünf Teilnoten für UPPs, schriftliche Arbeiten und Kolloquium sowie das (vorläufige) Gesamtergebnis der Prüfung bekannt gegeben. Das endgültige Gesamtergebnis der zweiten Staatsprüfung wird vom Prüfungsamt ermittelt und mitgeteilt. Für die Vorbereitung ist es nützlich, sich frühzeitig mit den Ausbildungsbeauftragten abzusprechen und sich innerhalb einer Schulgruppe gegenseitig zu unterstützen (z.B. Übernahme von kleinen Arbeiten für den Prüfling bzw. Betreuung der Prüfungskommission).

Rücktritt von der Prüfung

Wer als LAA in die Prüfung eingetreten ist (§ 29(2) OVP) und dann von Amts wegen oder auf seinen Antrag hin aus dem Vorbereitungsdienst entlassen wird, scheidet automatisch aus dem Prüfungsverfahren aus (§ 36(1) OVP). Bei der Entlassung aus dem Vorbereitungsdienst auf Antrag des Prüflings gilt grundsätzlich, dass die Prüfung als nicht bestanden gewertet wird. Ausnahme: der Prüfling kann dem Prüfungsamt einen schwerwiegenden Grund für den Entlassungsantrag nachweisen.

Schriftliche Arbeiten

So heißen die erweiterten schriftlichen Unterrichtsplanungen für die beiden → UPPs. Da ein  zweites Staatsexamen nach Kultusministerkonferenz (KMK)-Vereinbarungen eine „schriftliche Arbeit“ enthalten muss, sind die schriftlichen Arbeiten mit Blick auf eine ohnehin gründliche Planung der UPPs durch die Lehramtsanwärter*innen (LAA) sinnvoll. Sie sollen enthalten: „Ziele, einen oder mehrere didaktische Schwerpunkte und ein geplanter Verlauf des Unterrichts einschließlich der jeweiligen Begründungszusammenhänge und eine Darstellung der zugehörigen längerfristigen Unterrichtszusammenhänge, in die die Unterrichtsstunde der Unterrichtspraktischen Prüfung eingebunden ist.“ (OVP §32(5) Der Umfang jeder schriftlichen Arbeit soll zehn Seiten nicht überschreiten, beide Teile jeder Arbeit sollen jeweils etwa fünf Seiten umfassen.

Infos und Service zu Ausbildung