Gesucht: Schulleitungen für Grundschulen

Immer mehr Stellen unbesetzt

Über 20 Prozent der Schulleitungsstellen an nordrhein-westfälischen Grundschulen sind nicht besetzt. Manche Stellen wurden bisher über 20 Mal ausgeschrieben! Oft müssen zwei oder mehr Schulen gleichzeitig geleitet werden. Im Schulausschuss des Landtages fand am 25. Juni 2014 erstmals eine Anhörung zu diesem Thema statt.
Gesucht: Schulleitungen für Grundschulen

Foto: gpointstudio/istock.de

Über die Gründe für die fehlenden Schulleitungen an Grundschulen waren sich die Expert*innen bei der Anhörung einig: zu hohe Arbeitsbelastung, zu geringe Bezahlung und Leitungszeit, fehlende weitere Beförderungsstellen, hohe Unterrichtsverpflichtung, fehlende Sekretariats- und Hausmeisterstunden. Die ständige Überlastung der Schulleitungen führt verstärkt zu Erkrankungen und landesweit auch immer wieder zu Anträgen auf Entpflichtung.

Tropfen auf den heißen Stein
Die Rolle der Schulleitung an Grundschulen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Waren die Schulleiter*innen früher vorrangig Klassenlehrer*innen und erledigten zusätzlich die Leitungsaufgaben, so ist der Beruf heute mit dem Management eines mittelständigen Unternehmens vergleichbar, dessen Arbeitsbedingungen aber eher auf dem Niveau der alten Volksschulleiter*innen stehen geblieben sind.
Über 90 Prozent der Lehrkräfte an Grundschulen sind Frauen. Für viele von ihnen ist die Tätigkeit in der Schulleitung keine attraktive Alternative zur „normalen“ Lehrer*innentätigkeit, da sie die hohe zeitliche Mehrbelastung sehen und diese mit der eigenen Familie nicht verträglich zu vereinbaren ist. Die bisherige Erhöhung der Leitungszeit war ein guter, aber nicht ausreichender Schritt in die richtige Richtung. Der Job als Schulleiter*in führt zudem im Kollegium oft zu einer vereinsamten Position, da es wegen fehlender weiterer Beförderungsstellen kein Schulleitungsteam gibt. Die 150,- Euro Zulage brutto werden nicht als adäquater Ausgleich für mehr Verantwortung und starke Mehrbelastung gesehen.

Warten auf bessere Bedingungen
Mehr als 50 Prozent der Lehrkräfte an Grundschulen arbeiten in Teilzeit. Sie sind eine wichtige Stütze für die Grundschulen im Rahmen der Schulentwicklung. Ihr außerunterrichtlicher Arbeitseinsatz übersteigt schon jetzt den eigentlichen Anteil an den Pflichtstunden. Für diese Kolleg*innen ist die Übernahme einer Leitungsstelle doppelt unattraktiv.
Als Lösung schlugen CDU und FDP ihrerzeit die Übernahme von zwei Grundschulen durch eine Schulleitung vor – alle Expert*innen lehnten dies als kontraproduktiv ab. Stattdessen waren sie sich einig, dass dringend die Rahmenbedingungen verbessert werden müssen:

  • Besoldungserhöhung auf mindestens A14 für Schulleiter*innen und A13 für Konrektor*innen
  • Konrektor*innenstellen für alle Grundschulen (bisher gibt es diese nur an etwa zwei Drittel der Grundschulen)
  • Schaffung von attraktiven Bedingungen für Leitungsfunktionen in Teilzeit
  • mehr Leitungsstunden
  • tägliche Anwesenheit von Schulsekretär*in und Hausmeister*in
  • ein gut ausgebautes Backoffice zur Entlastung

Gute Worte reichen nicht
Die GEW wies zusätzlich auf die besondere Problematik an Bekenntnisschulen hin, an denen Schulleitungen überproportional fehlen. An vielen betroffenen Schulen werden auch kommissarisch Kolleg*innen beauftragt, die aber die Schulleitung wegen des „falschen“ Bekenntnisses nicht offiziell übernehmen dürfen.
Die GEW fordert seit Jahren eine Anhebung der Besoldung – einige Bundesländer machen es NRW in jüngster Vergangenheit vor: Zum Beispiel werden in Bayern Grundschulleitungen besser bezahlt als in NRW – schnell verringerte sich die Anzahl unbesetzter Stellen. Schulministerin Sylvia Löhrmann hat bei einer Fachtagung für Grundschulleitungen im letzten Jahr deren Arbeit in besonderer Weise gelobt. Gute Worte reichen aber nicht mehr aus – es müssen Taten folgen.   

Stellenanzeige
Die Bezirksregierungen in NRW suchen in allen Regionen des Landes für teilweise schon langjährig unbesetzte Stellen Schulleitungen für die Grundschulen Rektor*innen (A 13 Z) und Konrektor*innen (A 12 Z)

Von den Bewerber*innen wird unter anderem erwartet

  • Verzicht auf eine angemessene Besoldung
  • Erfüllung des umfangreichen Aufgabenkatalogs nach der Allgemeinen Dienstordnung (ADO)
  • engagierte, selbstständige und umfangreiche Verwaltungsarbeit (größtenteils ohne Unterstützung durch eine/n Sekretär*in)
  • Übernahme von Hausmeistertätigkeiten
  • Zusammenarbeit mit außerschulischen und kommunalen Partner*innen auch nach 16.00 Uhr
  • schnelle Beantwortung verschiedener Anfragen der Schulaufsicht und des Schulträgers
  • Flexibilität und ständige Erreichbarkeit
  • Übernahme zusätzlicher Abend- und Wochenendtermine
  • Einsatz als Klassenlehrer*in mit hoher Unterrichtsverpflichtung
  • Bereitschaft, den eigenen Unterricht für Telefonate oder Anfragen zu unterbrechen
  • Anleitung und Beurteilung zahlreicher Praktikant*innen
  • Organisation des Offenen Ganztags in einer Verwaltungsstunde pro Woche
  • Fähigkeit zur gleichzeitigen Lösung unterschiedlichster Probleme


Rixa Borns // In: nds 8-2014