Schule unterm Regenbogen

Schule unterm Regenbogen

Ausgelassene Stimmung und Regenbogenflaggen auf dem Christopher Street Day und bekannte homosexuelle Persönlichkeiten in Politik und Medien – die Welt für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans und Inter* scheint doch in Ordnung. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert. Die Realität ist dort jedoch noch nicht angekommen. Die Arbeitsgruppe LSBTI* in der GEW NRW setzt sich deshalb für echte Gleichstellung ein.
Schule unterm Regenbogen

Foto: Vesna Cvorovic/fotolia.de

„Werden die denn heute überhaupt noch diskriminiert?“, mag mancher angesichts eingetragener Lebenspartnerschaft, EU-Grundrechtecharta und Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) fragen. Spätestens der zweite Blick ergibt jedoch ein anderes Bild: Die Lebenspartnerschaft ist noch nicht der Ehe gleichgestellt oder gar die Ehe geöffnet.

Sexuelle Diskriminierung: Gesellschaftliche Wirklichkeit ist widersprüchlich
Das AGG gibt kirchlichen Arbeitgebern ausdrücklich Ausnahmerechte zur Diskriminierung. Das Coming-out von Politiker*innen sorgt immer noch für Schlagzeilen – und das eines männlichen Fußballprofis ist eine mediale Sensation. Politische und religiöse Rechte versuchen, sich mit medialen Rollback-Versuchen auf Kosten der sexuellen Minderheiten zu profilieren. Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist widersprüchlich, auch und gerade in der Schule: Zum Glück gibt es inzwischen an einigen Schulen einzelne homosexuelle Lehrkräfte oder Schüler*innen, die keine Schwierigkeiten haben, obwohl sie ihre Orientierung im sozialen Umgang ähnlich erkennen lassen wie das Heterosexuelle tun beim Erwähnen von Familienstand, Freundschaften, Kino- oder Diskobesuchen. Nach geschätzten Bevölkerungsanteilen von fünf bis zehn Prozent wäre aber in jedem Kollegium und in fast jeder Klasse mit homosexuellen Lehrkräften und Schüler*innen zu rechnen. Die Mehrheit davon scheint es für klüger zu halten, ihre Orientierung geheimzuhalten.

LSBTI* und der Umgang mit Homophobie gehören in Lehrpläne und FortbildungenDie Bielefelder Sonderauswertung zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit legt nahe, dass verschiedenen Formen von Ausgrenzung wie Homo- und Transphobie, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gemeinsame Ursachen und Strukturen zugrunde liegen. Die AG LSBTI* in der GEW NRW fordert daher eine Studie zur Akzeptanzsituation an Schulen. Sie macht sich stark für die Aufnahme des Themas LSBTI* in Lehrpläne und Richtlinien, für Pflichtmodule zu LSBTI* und zum Umgang mit Homophobie in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie für eine selbstverständliche Berücksichtigung von LSBTI* in Schulbüchern. Gleichzeitig begleitet die AG kritisch den „Aktionsplan für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ der Landesregierung. Bis heute mangelt es darin an der Umsetzung des AGG, etwa durch ein Landes-Antidiskriminierungsgesetz mit Ansprechpartner*innen und Verfahrensregelungen in Schulen und Schulverwaltung.

Bodo Busch, AG LSBTI* in der GEW NRW // In: punktlandung 2014.1

Die Abkürzung LSBTI* steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans* (transsexuell/transgender/transident) und intergeschlechtlich. Das Sternchen steht für weitere Selbstbezeichnungen. Teilweise wird bei der englischen Bezeichnung noch ein Q für queer ergänzt (vgl. queer theory).

Info

LSBTI* in der GEWDie GEW bezieht mit Beschlüssen schon länger lesben- und schwulenpolitisch Position, gibt Studien und Rechtsratgeber heraus ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen berufsständischen Lehrerverbänden. Seit über zehn Jahren gibt es in verschiedenen Stadtverbänden in NRW immer wieder kurzzeitig oder längerfristig Selbsthilfegruppen lesbischer Lehrerinnen oder schwuler Lehrer, aktuell in Köln und in Münster. Im Juli 2013 konstituierte sich eine dauerhafte Arbeitsgemeinschaft (AG) LSBTI* in der GEW NRW. Die AG verstetigt die Verbindung zur Bundesebene, zu und zwischen örtlichen Gruppen. Sie nimmt gern Kontakt zu Gruppen in weiteren Stadtverbänden auf und sucht auch für die AG auf Landesebene engagierte Menschen!