Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie

Inklusives Antidiskriminierungsprojekt

Das inklusive Antidiskriminierungsprojekt „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ setzt sich gegen Homo- und Transphobie an Schulen ein. Damit mehr für die Akzeptanz von Unterschieden in Bezug auf die sexuelle und geschlechtliche Identität von Menschen getan wird und zwar von Anfang an.
Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie

Foto: F. G. Pohl

Eine Erfahrung prägt und verbindet LSBTI*-Jugendliche und -Erwachsene im Bildungsbereich: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist stark tabuisiert. In Fortbildungs- oder Sensibilisierungsmaßnahmen werden Homo- und Transphobie vielfach vergessen. Das liegt zum einen daran, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Personen häufig unsichtbar bleiben. Sie sind vermeintlich nicht anwesend und so bleibt auch ihre Diskriminierung eher unerkannt. Zum anderen werden Akzeptanzmaßnahmen für diese Gruppe seltener konkret eingefordert. Deshalb braucht es spezifische Ansätze und Hilfestellungen.

Mitmachen und Schule der Vielfalt werden!Schule der Vielfalt wurde vor über fünf Jahren gegründet, denn immer wieder berichteten Lesben und Schwule im Schulbereich von Diskriminierungs- und teilweise auch Gewalterfahrungen. Seit 2012 ist das Schulministerium NRW im Rahmen des Aktionsplans der Landesregierung gegen Homo- und Transphobie Kooperationspartner. Mit einem Beratungsangebot und Unterrichtsmaterialien bietet das Projekt die notwendige Unterstützung, um sexuelle Vielfalt und Diskriminierung in der Schule zum Thema zu machen. Schule der Vielfalt lebt vom Mitmachen. Die Initiative dazu kann von einzelnen Schüler*innen, Eltern oder Lehrkräften kommen. Voraussetzung ist, dass die Schulkonferenz in einem Beschluss erklärt, Projektschule werden zu wollen, und den Qualitätsstandards zustimmt. Ein wichtiges Element für neue Schulen der Vielfalt ist das Schild „Come in – Wir sind offen“, das öffentlich sichtbar angebracht werden muss. Oft ist dieses Schild eine Hürde, die Überzeugungsarbeit bei Schulleitungen, Kollegien, Eltern und Schüler*innen verlangt. Die Projektschulen unterschreiben zudem eine Selbstverpflichtungserklärung und führen Fortbildungen zu Homo- und Transphobie für Lehrkräfte und Schüler*innen durch. Außerdem verpflichten sie sich zur Teilnahme an den Vernetzungstreffen. So haben die Projektschulen Modellcharakter. Schule der Vielfalt ist fest in der LSBTI*-Community verankert und genießt dort eine große Akzeptanz. Das ist kein Wunder, denn das Schulprojekt baut fachlich auf der jahrzehntelangen Arbeit in der Community zu Beratung, Coming-out und Selbsthilfe auf.

Diskriminierung wahrnehmen und handelnSchulen, die zum Netzwerk von Schule der Vielfalt gehören, behaupten nicht, dass es bei ihnen keine Diskriminierung aufgrund der Herkunft, der sexuellen oder geschlechtlichen Identität, des Geschlechts oder aufgrund von Behinderungen gebe. Vielmehr haben sie den Anspruch, sich bewusst und nachhaltig mit diesen gesellschaftlich tief verwurzelten Problemen auseinanderzusetzen. Für das Projekt sind diese Ansätze zur Akzeptanz wichtige Aspekte für einen respektvollen Umgang und ein gutes Schulklima.

Frank G. Pohl, Landeskoordinator Schule der Vielfalt // In: punktlandung 2014.1