Die wesentlichen Aussagen zur Rechtslage enthält der Erlass „Sicherheitsförderung im Schulsport“ vom 30. August 2002 (BASS 18-23 Nr. 2). Danach müssen sich die Lehrkräfte über besondere Sicherheitsbestimmungen und -vorkehrungen sowie Rettungsmaßnahmen vor Ort erkundigen.

„Lehrer-Alptraum wurde wahr – Kind ertrank beim Sportunterricht“ – „Kind erlitt Gehirnschaden“ – „Schwimmunterricht nahm tödliches Ende“ – schlimmer kann es kaum kommen. 

Doch trotz solcher Schlagzeilen, die leider nicht erfunden sind, unterschätzen immer noch manche Lehrkräfte wie auch deren Vorgesetzte die Risiken und Gefahren, die mit dem Schwimmunterricht verbunden sind. Beim Schwimmen sind die Unfallgefahren deutlich höher als bei anderen sportlichen und schulischen Aktivitäten.

Rechtslage im Überblick

Die wesentlichen Aussagen zur Rechtslage enthält der Erlass „Sicherheitsförderung im Schulsport“ vom 26.November 2014 (BASS 18-23 Nr. 2). Danach müssen sich die Lehrkräfte über besondere Sicherheitsbestimmungen und -vorkehrungen sowie Rettungsmaßnahmen vor Ort erkundigen. Sie müssen über spezielle fachliche Voraussetzungen verfügen und mit den erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen vertraut sein. Diese sind als genauere Bestimmungen zum „Bewegungsfeld Wasser – Schwimmen“ in der Schriftenreihe „Schule in NRW“ des Schulministeriums als Heft 1033 „Sicherheitsförderung im Schulsport“ 2015 veröffentlicht worden.

In zwei Schulmails vom Februar 2015 hat das MSW i. Ü. klargestellt, dass weiterhin auch Lehrkräfte Sportunterricht (und damit auch Schwimmunterricht) erteilen dürfen, „die bisher Sport unterrichtet und sich bewährt haben“, auch wenn sie nicht die sonst geforderten „fachlichen Voraussetzungen“ nachweisen können.

„Rettungsfähig“ nach dem Erlass ist demnach:

„Bei der Nutzung öffentlicher, beaufsichtigter oder schuleigener Bäder mit einer Wassertiefe von mehr als 1,20 m" muss die Lehrkraft entweder das

Deutsche Rettungsschwimmabzeichen der DLRG/des DRK/des ASB – Bronze besitzen oder

das Deutsche Schwimmabzeichen (Bronze) besitzen und gleichzeitig

  • von der Wasseroberfläche aus einen etwa 5 kg schweren Gegenstand vom Beckenboden heraufholen und zum Beckenrand bringen,
  • ca. 10 m weit tauchen,
  • Umklammerungen durch in Gefahr geratene Personen entweder vermeiden oder sich aus diesen lösen,
  • einen etwa gleich schweren Menschen mittels Kopf- oder Achselschlepp-griff ca. 15 m weit schleppen und an Land bringen und lebensrettende Sofortmaßnahmen ergreifen können (vgl. hierzu: BASS 13-59 Nr.1).

Die geforderte „Rettungsfähigkeit“ müssen – nach dem 2014 aktualisierten Erlass – Lehrkräfte, die Schwimmunterricht erteilen, durch eine entsprechende „Bescheinigung der Schulaufsichtsbehörde oder der Schwimmsport treibenden Verbände“ nachweisen und nach spätestens vier Jahren in einer staatlichen Fortbildung (oder eines Fachverbandes) „auffrischen“. „Die Verantwortung für die Einhaltung des Auffrischungszeitraumes trägt in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeauftragten der Schule die Schulleiterin oder der Schulleiter.“

Schwangere Lehrerinnen dürfen nicht mit der Erteilung von Schwimmunterricht beauftragt werden.

Badeaufsichtspersonal kann, wenn es den öffentlichen Badebetrieb beaufsichtigt, nicht gleichzeitig an der Aufsichtsführung im schulischen Schwimmunterricht beteiligt werden. Die Anwesenheit weiterer Personen entbindet die Lehrkraft nicht von ihrer Aufsichtspflicht. Alle im Wasser befindlichen Schüler*innen müssen vom Standort der Lehrkraft aus zu sehen sein. Aufsichtführende Lehrkräfte müssen Schwimm- oder Sportbekleidung tragen. Die Vollzähligkeit der Gruppen ist jeweils vor dem Betreten der Schwimmstätte, unmittelbar nach dem Verlassen des Schwimmbeckens und vor dem Verlassen der Schwimmstätte zu überprüfen.

Grundsätzlich sind beim Baden und Schwimmen im Rahmen von Schulfahrten und Wanderungen nur öffentliche und beaufsichtigte Schwimmanlagen aufzusuchen.

„In Förderschulen und beim gemeinsamen Lernen von Schüler*innen mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist die Lerngruppengröße nach den besonderen pädagogischen und medizinischen Erfordernissen festzulegen.

Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte und nach Anhörung der Lehrkraft trifft die Schulleitung die Entscheidung über die Lerngruppengröße.“ (s.o., Erlass vom 26.11.2014,  Teil II, S.24)

Die GEW empfiehlt allen Lehrer*innen, die anfallskranke Schüler*innen beim Schwimmen unterrichten, sich umfassend über das Krankheitsbild zu informieren. Ratsam ist, das Gesundheitsamt um eine Stellungnahme zu bitten.

Info

  • Erlass „Sicherheitsförderung im Schulsport“ vom 26. November 2014 (BASS 18-23 Nr. 2)
  • Sicherheitsvorschriften für das Schwimmen im Rahmen des Schulsports in der Schriftenreihe „Schule in NRW“ des Schulministeriums als Heft 1033 „Sicherheitsförderung im Schulsport“, dort im Teil II Nr. 1 zum Bewegungsfeld „Bewegen im Wasser – Schwimmen“
  • Erlass „Verwaltungsvorschriften zu § 57 Abs. 1 SchulG – Aufsicht“ vom 18.07.2005 (BASS 12 – 08 Nr. 1)

 Stand: Januar 2016