Qualitätsanalyse

Schulen und Schulaufsicht sind zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung verpflichtet; dies umfasst die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule (§ 3 Absatz 3 SchulG).

Die Rechtslage im Überblick

Rechtliche Rahmenbedingungen sind in den §§ 3 und 86 Schulgesetz (SchulG) sowie in der Verordnung über die Qualitätsanalyse an Schulen in NRW, kurz QA-VO vom 27. April 2007 geregelt. Hiernach sind Lehrkräfte und Schulleitungen ebenso wie die Schulaufsicht zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung verpflichtet; dies umfasst die gesamte Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule.

Ziel der Qualitätsanalyse (QA) ist es, die Qualität von Schule zu erfassen, zu spiegeln und Impulse für die Weiterentwicklung zu geben. Gewünscht ist, dass Schulen ihre Qualitätsentwicklung unabhängig von der konkreten „Schulinspektion“ auf der Grundlage des Referenzrahmens und des Qualitätstableaus in einem permanenten Prozess bearbeiten. Im Fokus der QA  an der Einzelschule steht die Qualität der Schule, nicht die Bewertung einzelner Lehrkräfte.

Die Qualitätsanalyse basiert auf weitgehend standardisierten Verfahren und einheitlichen Instrumenten.

Die Qualitätsprüfer sind in den Dezernaten 4 Q der Bezirksregierungen. Sie sind personell und funktionell von der Schulformaufsicht getrennt. Allerdings ist die Schulformaufsicht zum Vorgespräch für die QA an der jeweiligen Schule eingeladen. Eltern, Schülerschaft, weiteres schulisches Personal und der Schulträger sowie an Berufskollegs auch die Ausbildungsbetriebe sind in die Überprüfung einbezogen.

Die Situation

Seit Jahren wird die Qualitätsanalyse (QA) an den Schulen durchgeführt. Lehrkräfte und Schulleitungen arbeiten an der Qualitätsverbesserung in den Bereichen, in denen sie laut Qualitätsbericht  ihre Arbeit verbessern sollen.

Zur Unterstützung erhalten sie Angebote für Fortbildungen und Beratung durch die Schulaufsicht. Das ist vielen Schulen zu wenig. Sie vermissen eine echte Unterstützung im Entwicklungsprozess.

Zwar sehen die Lehrkräfte  laut Jahresbericht des MSW aus 2009 ihre Arbeit durch das QA-Team meist richtig dargestellt, akzeptieren die festgestellten Entwicklungsbedarfe und glauben, dass die QA wichtige Impulse für die Weiterentwicklung gegeben hat. 43 Prozent der Schulen sehen ein Missverhältnis zwischen Zeitaufwand und Ertrag der Qualitätsanalyse.

Die Arbeit in Steuergruppen und Konferenzen ist eine hohe Belastung, die den zeitlichen Rahmen ihrer wöchentlichen Arbeitszeit und insbesondere die qualitative Belastungsgrenze sprengt. Fortbildungen, die fast ausschließlich nach Unterrichtsschluss und am Wochenende stattfinden sollen, binden Zeit und Kraft, die für das Kerngeschäft im Unterrichtsalltag fehlen.

Die Schulen wollen Zeit für die Qualitätsentwicklung und Rahmenbedingungen, die ihnen die Erfüllung der Qualitätsanforderungen ermöglichen.

Seit dem Schuljahr 2013 hat das Schulministerium (MSW) eine Neuausrichtung der QA mit u.a. den folgenden Elementen vorgelegt:

  • Die QA soll die Schule in ihrer Eigenverantwortung für Lehren und Lernen unterstützen. Schulinterne Evaluation und Fremdevaluation durch die QA sollen einer umfassenden schulischen Qualitätsentwicklung dienen und der Aufwand der Schulen im Vorfeld der QA soll verringert werden.
  • Grundlage aller Anforderungen sind der Referenzrahmen Schulqualität und das ebenfalls reduzierte Qualitätstableau mit 151 Kriterien, davon 12 verpflichtenden für die Unterrichtsbeobachtungen.
  • Im Mittelpunkt der Bewertung stehen nach wie vor die Unterrichtsbeobachtungen. Es finden weiter unangekündigte Unterrichtsbesuche bei mindestens der Hälfte der Lehrkräfte von je 20 Minuten statt. Hierbei wird ein neuer Unterrichtsbeobachtungsbogen eingesetzt und Indikatoren für die Erfüllung der Kriterien formuliert und veröffentlicht. Letztere genügen allerdings nicht immer den erhebungsstatistischen Objektivitätsanforderungen. Beispiel „Angemessener Sprachgebrauch“
  • Das Portfolio der Schule mit den Leistungs- und Entwicklungsdaten der Schule und damit der erforderliche Aufwand wurden ebenfalls reduziert.
  • Die Schulen können über den Zeitpunkt der QA mitentscheiden und
  • aus dem Pool der Qualitätskriterien neben den verpflichtenden Kriterien weitere Prüfaufträge für die QA  wählen.

Hinzu kommen als Bewertungsgrundlage nach wie vor Leitfaden gestützte Interviews mit allen Beteiligten. Die Interviews mit den Schüler*innen und Erziehungsberechtigten sind veröffentlicht, nicht jedoch die Leitfäden für die Interviews mit den Lehrkräften.

Qualitätsbericht und Zielvereinbarungen

Die Bewertung von Schule, Unterricht und Lernprozessen erfolgt auf der Grundlage des Qualitätstableaus und der geltenden Bewertungskriterien (§ 3 Ab-satz 6 der QA-VO). Das Ergebnis geht in den Qualitätsbericht ein, der auf Wunsch vom QA-Team erläutert wird.

Sodann wird der Bericht in den schulischen Gremien analysiert und die aus Sicht der Schule notwendigen Konsequenzen formuliert.

Die Schulleitung stellt der Schulaufsicht die beschlossenen Maßnahmen dar und soll mit dieser hierüber eine Zielvereinbarung abschließen. Die Schulkonferenz wirkt bei der Zielvereinbarung gemäß § 65 Absatz 2 Nr. 2 SchulG mit. Im Rahmen eines Controllings muss die Schulleitung der Schulaufsichtsbehörde über die Ergebnisse der Umsetzung Bericht erstatten.

Die GEW rät

  • Nehmen Sie berechtigte Rückmeldungen zur Qualitätsverbesserung ernst, aber fordern Sie offensiv die Bedingungen und Unterstützungen ein, die Voraussetzung für die Qualitätsentwicklung an Ihrer Schule sind. Ein entscheidendes Mittel ist die Dokumentation der Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. (Siehe Stichwort: Arbeits- und Gesundheitsschutz)
  • Lassen Sie sich nicht in Zielvereinbarungen drängen – weder als Schulleitung, noch als einzelne Beschäftigte, noch als Teil- oder Fachkonferenz.
  • Informieren Sie ihre Personalräte und die GEW über ihre Erfahrungen vor, während und nach einer Qualitätsanalyse.
  • Solidarisches Handeln ist die Voraussetzung, um gemeinsam die Bedingungen zu erkämpfen, unter denen Lehrer*innen ihren eigenen Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Bildungs- und Erziehungsarbeit realisieren können.

Die GEW und ihre Personalräte werden Sie dabei unterstützen.

Info

Ausführliche Informationen zur QA, ihren Zielen, zum Ablauf, den Instrumenten und Dokumenten sowie den Zielvereinbarungen nach dem Qualitätsbericht der Prüfer findet man auf den Seiten des Schulministeriums NRW.

Stand: Januar 2016