Anrechnungsstunden

Zum Ausgleich besonderer unterrichtlicher Belastungen, für die Wahrnehmung besonderer schulischer Aufgaben, für die Mitgliedschaft im Lehrerrat und für die Tätigkeit als Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen steht jeder Schule ein Kontingent von Anrechnungsstunden, die oft fälschlicherweise als Entlastungsstunden bezeichnet werden, zur Verfügung.

Das Problem

An einer Hauptschule sind 19,0 Stellen besetzt. Die Schule hat folgenden Stellenbedarf:

  • 16,0 Grundstellen (gemäß Schüler*innen- Lehrer*innen-Relation)
  • 1,7 Stellen als Zuschlag für Integrationshilfe
  • 0,5 Stellen als Fachleitungsbonus
  • 18,2 Stellen insgesamt

Wie viele Anrechnungsstunden ergeben sich für das Kollegium?

Wie hoch ist die Schulleitungspauschale?

Rechtslage im Überblick

Grundlage für diese Berechnung ist die „Verordnung zur Ausführung des § 93 Schulgesetz“ (BASS 11-11 Nr. 1), die jedes Jahr neu gefasst wird. Basis für die Anrechnungsstunden sind nur die Grundstellen und ein eventueller Ganztagszuschlag, der aber dieser Hauptschule nicht zusteht. Durch die Sparbeschlüsse der Landesregierung sind die Anrechnungsstunden seit Jahren sehr stark gekürzt worden.

Anrechnungsstunden für Kollegien

Zum Ausgleich besonderer unterrichtlicher Belastungen, für die Wahrnehmung besonderer schulischer Aufgaben, für die Mitgliedschaft im Lehrerrat und für die Tätigkeit als Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen steht jeder Schule ein Kontingent von Anrechnungsstunden, die oft fälschlicherweise als Entlastungsstunden bezeichnet werden, zur Verfügung.

Für die einzelnen Schulformen beziehungsweise Schulstufen sind je Grundstelle (plus eventuell Ganztagszuschlag) folgende Anrechnungsstunden vorgesehen:

Schulform Stunden

Primarstufe

Grundschule

 

0,2

Sekundarstufe I

Hauptschule
Realschule
Sekundarschule
Gymnasium
Gesamtschule

 

0,6
0,5
0,5
0,5
0,5

Sekundarstufe II

Gymnasium
Gesamtschule

 

1,2
1,2

Berufskolleg

Berufsschule (einschließlich Berufsorientierungsjahr
und Berufsgrundschuljahr)
Fachschule
Berufsfachschule/Fachoberschule

 


0,5
1
1,2

Förderschule (alle  Förderschwerpunkte) 0,4
Schule für Kranke 0,4
Weiterbildungskolleg 1

Darüber hinaus können alle Schulen für den Unterrichtsmehrdarf für sonderpädagogische Förderung schulformunabhängig noch über 0,4 Anrechnungsstunden je Stelle verfügen.

Die Lösung

In unserem Beispiel stehen dem Kollegium der Hauptschule zehn Anrechnungsstunden (0,6 x 16 Grundstellen) zu. Über die Verteilung der Anrechnungsstunden entscheidet die Schulleitung nach Beratung durch die Lehrerkonferenz. Dabei ist eine gleichmäßige Verteilung auf die Lehrkräfte untersagt. Für die Inanspruchnahme von Anrechnungsstunden müssen besondere Gründe vorliegen (zum Beispiel Korrekturfächer, Sammlungsleitung, Betreuung von Migrantenkindern). Die Entlastung für Fachleiter*innen, Personalrät*innen, Fachberater*innen, SV-Verbindungslehrer*innen oder wegen Schwerbehinderung erfolgt durch besondere Regelungen.

Anrechnungsstunden für Schulleitungen (Leitungszeit)

Auch diese Anrechnungsstunden werden auf der Basis der Grundstellen und eines eventuellen Ganztagszuschlags sowie des Unterrichtsmehrbedarfs für sonderpädagogische Förderung zugeteilt. Die Leitungszeit beträgt in der Regel

  • 9 Wochenstunden zuzüglich
  • 0,7 Wochenstunden je Stelle bis zur 50. Stelle und
  • 0,3 Wochenstunden für jede weitere Stelle.

An Grundschulen erhöht sich die Leitungszeit um 2 Wochenstunden je Schule.

An nach dem 1. August 2006 gebildeten Grundschulverbünden erhöht sich die Leitungszeit um sieben Wochenstunden für den zweiten und jeden weiteren Teilstandort, wenn die Standorte nicht auf einem gemeinsamen Grundstück liegen. Für die Dauer des ersten Schuljahres nach Gründung des Verbundes erhöht sich die Leitungszeit um vier Wochenstunden, für das zweite Schuljahr um zwei Wochenstunden. Für nach dem 1. August 2006 errichtete organisatorische Zusammenschlüsse von Schulen, sogenannte Verbundschulen, sowie für Sekundarschulen und Gesamtschulen mit Teilstandorten erhöht sich die Leitungszeit um drei weitere Wochenstunden, sofern die Teilstandorte nicht auf einem Grundstück liegen.

Die Lösung

Die Schulleitung der Hauptschule erhält also 19,2 Anrechnungsstunden (16 Grundstellen x 0,7 plus sechs Stunden plus zwei Stunden). Diese 19,2 Stunden sollen zwischen der/dem Schulleiter*in und der/dem Vertreter*in entsprechend den tatsächlichen Belastungen aufgeteilt werden. Es können auch weitere Lehrkräfte mit Schulleitungsaufgaben beauftragt werden. Diese sind dann bei der Vergabe der Stunden entsprechend zu berücksichtigen.

Einigen sich die Mitglieder der Schulleitung nicht über die Verteilung der Anrechnungsstunden, entscheidet die Schulaufsicht. Wenn eine Schulleitungsstelle über einen längeren Zeitraum nicht besetzt oder ein Mitglied der Schulleitung für längere Zeit krank oder beurlaubt ist, erhalten diejenigen Lehrkräfte die Anrechnungsstunden, die Aufgaben der Schulleitung wahrnehmen.

Die GEW fordert ein höheres Kontingent an Anrechnungsstunden für die vielfältigen Zusatzaufgaben in Schulen, eine dem Bedarf entsprechende Entlastung von Lehrerratsmitgliedern und Ansprechpartner*innen für Gleichstellungsfragen sowie die bedarfserhöhende Auswirkung für das Stellenkontingent der jeweiligen Schule für weitere Aufgaben wie Zertifikatskurse, OBAS, Pädagogische Einführung und Ähnliches.

Info

  • BASS 11 – 11 Nr. 1 (Verordnung zur Ausführung des § 93 Schulgesetz)
  • BASS 11 – 11 Nr. 1.1 (AVO-Richtlinien 2015/16)

Stand: Juli 2017