Wer Transparenz fordert, führt keine Neiddebatte!

GEW: Rektor*innengehälter sind keine Privatsache

Wer Transparenz der Hochschulen einfordert, führt keine Neiddebatte. Er fordert Rechenschaft über sechs Milliarden Euro Steuergelder. Vor mehr als zehn Jahren formulierte Gerhard Cromme (Chef der damaligen Kodex-Kommission für Corporate Governance) im Gespräch mit der F.A.Z: „Gehaltsfragen wurden in Deutschland bislang als Persönlichkeitsrecht angesehen. Dieser Zug ist abgefahren.“

Bei den Gehältern von Rektor*innen und Kanzler*innen handelt es sich um Einkommen in öffentlichen Führungsämtern und um die Verwendung von öffentlichen Mitteln, mit denen die Hochschulen und ihr Spitzenpersonal, aber auch das gesamte wissenschaftliche und Verwaltungspersonal finanziert werden.

Landesvorsitzende Dorothea Schäfer erklärte heute: „Wir kritisieren keine Gehaltshöhen. Wir kritisieren ein Gesetz, das dem Leitungspersonal der ‚unternehmerischen Hochschule‘ ermöglicht, sich aus den Bindungen des öffentlichen Dienstes zu verabschieden. Der sprunghafte Anstieg der Rektor*innengehälter, um den es jetzt soviel Aufregung gibt, ist ja im System angelegt und von den Machern des Hochschulfreiheitsgesetzes intendiert gewesen. Das Gehaltsplus beim Personal fiel nicht so üppig aus, insgesamt haben sich die Beschäftigungsbedingungen an den Hochschulen verschlechtert. Das neue Hochschulgesetz muss nicht nur Regeln für mehr Transparenz, sondern auch für bessere Beschäftigungsbedingungen enthalten.“

Es komme bei den Hochschulbeschäftigten nicht gut an, so die GEW-Landesvorsitzende, dass Rektoren innerhalb von acht Jahren im Geheimen Gehaltserhöhungen zwischen 40% und 70% ausgehandelt haben, während die Gehaltssteigerungen im Öffentlichen Dienst im gleichen Zeitraum unter Ein-beziehung der Tariferhöhung vom letzten Jahr keine 16% ausmachten.

Der Maßstab für Transparenz in öffentlichen Führungsämtern gelte, so Schäfer abschließend, an staatlich finanzierten Hochschulen ebenso selbstverständlich wie in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes, ob für Bürgermeister*innen oder für Sparkassendirektor*innen.