Weiterbildung in NRW fehlen über 90 Millionen Euro

Deutscher Weiterbildungstag 2014

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt: Zur Deckung des dringendsten Bedarfs werden nach einer Expertenberechnung bundesweit 600 Millionen Euro für die öffentlich verantwortete Weiterbildung benötigt.. Berechnungsgrundlage ist eine von Sachverständigen geforderte Quote von einem Prozent für die Weiterbildung bezogen auf das jeweilige Gesamtbudget für die Bildung. Dieser Wert wird im Bundesdurchschnitt mit einem Anteil von 0,34% weit unterschritten. Die Situation in NRW ist nur etwas besser.

„Nordrhein-Westfalen investiert zwar nach Bremen und Niedersachsen am meisten für die Weiterbildung, müsste aber mehr als 90 Millionen Euro zusätzlich investieren, um die 1%-Marge zu erfüllen," stellte Dorothea Schäfer, GEW-Landesvorsitzende, mit Blick auf den am kommenden Freitag (19. September) stattfinden „Deutschen Weiterbildungstag“ 2014 fest. Mit rund 114 Millionen Euro beträgt der Anteil der Landesmittel für die Erwachsenenbildung am gesamten Bildungsbudget des Landes 0,55% und liegt damit im Ländervergleich auf Platz drei knapp hinter Niedersachsen (0,59%) und Spitzenreiter Bremen (0,79%).

Schäfer bezog sich auf Daten eines heute veröffentlichten im Auftrag der GEW verfassten Gutachtens des Bildungsforschers Roman Jaich. „Die krasse Unterfinanzierung ist ein deutliches Signal, dass Politik die allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung zu wenig Wert schätzt. Dies steht im Gegensatz zu der in Sonntagsreden gerne beschworenen Bedeutung der Weiterbildung als ‚vierter Säule des Bildungswesens‘ in Deutschland und des ‚lebensbegleitenden Lernens‘“, betonte die GEW-Landesvorsitzende. Es sei zwar gut, dass NRW mit der Bildung eines Landesbeirats Weiterbildung beim Schulministerium ein Zeichen gesetzt habe, um der Erwachsenenbildung in NRW mehr Gewicht zu geben. „Doch damit haben wir das Problem der Unterfinanzierung noch nicht behoben“, bemerkte Schäfer. Der Landesbeirat kommt am Freitag zu seiner dritten Sitzung zusammen.

„Wir brauchen mehr pädagogisches Personal, um das Bildungsangebot auszuweiten und zu verbessern, gleichzeitig wollen wir die Arbeitsbedingungen der Lehrenden stabilisieren“, erklärte Schäfer weiter. Deshalb sollten mit den zusätzlichen Geldern Teilnehmergebühren gesenkt bzw. abgeschafft, die Grundbildung ausgebaut und prekäre Beschäftigung gestoppt werden. Nach Beobachtung der GEW sei die steigende „Teilnehmermaut“ ein wichtiger Grund für die sinkende Bildungsbeteiligung, die Höhe der Gebühren schrecke viele Menschen von Weiterbildung ab. Hinsichtlich der Finanzierung der Weiterbildungsangebote favorisiere die GEW eine einfache auf Erfahrungswerten beruhende Formel, so Schäfer abschließend: „Ein Drittel der Kosten tragen die Länder, ein Drittel übernehmen die Träger, ein Drittel die Teilnehmer*innen. In diese Richtung müssen wir wieder kommen."