Kita-Beschäftigte im Streik – viele Einrichtungen blieben geschlossen

Starker Streikauftakt im Sozial- und Erziehungsdienst

Die Tarifauseinandersetzung für eine zeitgemäße Eingruppierung und bessere Bezahlung im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst nimmt an Schärfe zu. Mit starker Beteiligung hat heute auch in NRW der unbefristete Streik der Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst begonnen. Die Beschäftigten sind in großer Zahl den Aufrufen der Gewerkschaften GEW und Ver.di gefolgt, viele Kitas blieben geschlossen. 

GEW-Mitglieder haben vor allem in Köln, Bonn, Siegburg, Münster, Dortmund und vielen weiteren Orten die Arbeit niedergelegt und beteiligten sich an Protestaktionen, die vor Ort organisiert wurden. 

„Gute Bildung gibt es nur gegen gute Bezahlung. Wer wie die Erzieher*innen und die übrigen Beschäftigen im Sozial- und Erziehungsdienst qualitativ gute Arbeit leistet, hat Anspruch auf gute Bezahlung. Das wollen die kommunalen Arbeitgeber*innen aber nicht einsehen, deshalb  müssen die Beschäftigten dafür streiken“, sagte heute GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer in Essen. 

Die GEW-Landesvorsitzende zeigte sich erfreut über die breite Welle der Sympathie und solidarischen Unterstützung, die Eltern und Elternverbände den streikenden Erzieher*innen zeigen.

„Wir wissen, wie schwierig und belastend die Situation für die Kinder, ihre Eltern und Angehörigen derzeit ist. Die Verantwortlichen dafür sitzen in den Rathäusern von Städten und Gemeinden, die ein vernünftiges Angebot für eine bessere Bezahlung verweigern“, ergänzte Schäfer. Schäfer forderte zum Politikerdialog auf. „Trotz sprudelnder Steuerquellen kein Signal der Wertschätzung für einen Berufsstand, dessen gesellschaftliche Bedeutung in Politikerreden immer wieder unterstrichen wird. Doch wenn es darauf ankommt, wird gekniffen.“  

Hintergrund:

Rund 1,2 Millionen Beschäftigte arbeiten in Sozial- und Erziehungsberufen, davon rund 240.000 im Sozial- und Erziehungsdienst (SuE) der Kommunen. Für sie wurde 2009 nach langwierigen und zähen Verhandlungen eine eigene Entgeltordnung (EGO) im Tarifgefüge des öffentlichen Dienstes vereinbart und in der sogenannten S-Tabelle festgeschrieben. 

Zum Jahreswechsel 2014/2015 haben die Gewerkschaften ver.di und GEW die Entgeltordnung gekündigt. Sie wollen die Chance für eine spürbare Aufwertung sozialer Berufe nutzen und gemeinsam mit den Beschäftigten ihre Forderungen durchsetzen.

Die Gewerkschaften haben nach der fünften Verhandlungsrunde die Verhandlungen als gescheitert erklärt. In einer Urabstimmung haben sich die Gewerkschaftsmitglieder mit überwältigender Mehrheit für unbefristete Streiks ausgesprochen. Das Ergebnis wurde am 6. Mai bekannt gegeben. 96,37 % der GEW-Mitglieder im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst haben sich dafür ausgesprochen, für ihre Forderungen in den Erzwingungsstreik zu gehen.