„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ – Mit mehr und besserer Bildung!

GEW-Landesvorsitzende redet auf Maikundgebung in Hamm

Unter dem Motto "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!" haben DGB und die Mitgliedsgewerkschaften zu Kundgebungen und Demonstrationen am 1. Mai 2015 aufgerufen. GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer wird am "Tag der Arbeit" in Hamm sprechen.

Schäfer verweist in ihrer Rede auf die 125-jährige Tradition des 1. Mai und erinnert an die historischen Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung. Zu den aktuellen Erfolgen zählt sie die Durchsetzung des Mindestlohns und die Rente mit 63. Auch in der Tarifpolitik waren die Gewerkschaften, so Schäfer, "unterm Strich erfolgreich". Schäfer wörtlich: "In der Tarifrunde im öffentlichen Dienst haben wir beim Lohnabschluss und bei der Betriebsrente einen akzeptablen Kompromiss erzielt. Für die Entgeltordnung der tarifbeschäftigten Lehrkräfte werden wir auf den langen Atem der Gewerkschaftsbewegung setzen. Der Kampf ist nicht zu Ende."

Die GEW-Vorsitzende erwartet ab Ende der nächsten Woche einen weiteren schweren Arbeitskampf. Derzeit läuft bei Ver.di und GEW die Urabstimmung zum unbefristeten Streik im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes. Dazu Schäfer: "Die kommunalen Arbeitgeber haben den Einstieg in die Aufwertung dieser Berufsgruppe verpasst. Die Rolle der Kita hat sich stark gewandelt, die beruflichen Anforderungen an die Erzieherinnen sind gestiegen. Sie leisten wie Heil- und Sozialpädagogen viel für unsere Gesellschaft. Das muss Konsequenzen in der Bezahlung haben. Dafür wird gestreikt."

"Bildungsrepublik" bleibt Fiktion!

Die vor gut sechs Jahren ausgerufene "Bildungsrepublik Deutschland" bleibe, so Schäfer im bildungspolitischen Teil ihrer Rede, weiterhin eine Fiktion, denn die Zahl der jungen Menschen ohne Schul- und Bildungsabschluss verharre auf unverantwortlich hohem Niveau. Die Zahl der dualen Ausbildungsplätze sei zurückgegangen, die Wirtschaft komme ihrer Verantwortung nicht genügend nach.

Schäfers Warnung: "Die Chancen der jungen Generation sind noch nicht nachhaltig gesichert. Kein Kind und kein Jugendlicher darf zurückgelassen werden. Wir haben große Verantwortung auch für diejenigen, die in großer Not zu uns kommen!" Schäfers Forderung: "Wir wollen für jeden jungen Menschen eine zukunftsfähige Ausbildung als Start ins Leben!"

"Es bleibt dabei. Wir brauchen mehr und bessere Bildung und das Geld dafür, um sie zu bezahlen", fordert die Vorsitzende der mit fast 50.000 Mitgliedern größten Bildungsgewerkschaft in NRW. Trotz aller Fortschritte beim Ausbau der Krippenplätze und beim Zugang zum Studium und in der Weiterbildung sei die soziale Spaltung im Bildungssystem nicht behoben und die Investitionen in Bildung gingen im Verhältnis zur wirtschaftlichen Entwicklung zurück.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die GEW-Vorsitzende wegen der Zuwanderung von Flüchtlingen und den massiven Problemen bei der Umsetzung der Inklusion an den Schulen vor Ort.

"Bei der Notwendigkeit, für gute Schulen, genügend Kitas, Inklusion und Chancengleichheit zu sorgen, können wir nicht mehr warten. Wir müssen jetzt handeln und brauchen jeden Euro dafür", verlangt die GEW-Vorsitzende. Ihr Appell: "Gute Bildung gehört zu den Kernaufgaben des Staates. Hierfür brauchen wir mehr finanziellen Spielraum. Vermögende sollten mehr zur Finanzierung der Bildung beitragen."

Dabei lasse, so Schäfer, die "demografische Rendite", Einsparungen durch den Rückgang der Schülerzahlen, auf sich warten. Allein im kommenden Schuljahr gebe es in den Schulen in NRW rund 17 000 mehr Schüler*innen als vom Schulministerium prognostiziert. Dies erfordere die Bereitstellung von zusätzlich gut 1100 Lehrerstellen, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen.