Lehrkräfte an Grundschulen besser bezahlen!

Internationaler Frauentag

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"Kleine Kinder - kleines Geld, große Kinder - großes Geld.": Nach diesem ungeschriebenen Gesetz werden Lehrer*innen in Deutschland bezahlt. Gestützt auf mehrere Rechtsgutachten sieht die GEW für diese diskriminierende Praxis keine Rechtfertigung mehr.

Die Bildungsgewerkschaft fordert deshalb eine Aufstockung der Besoldung der Grundschullehrkräfte in die Besoldungsgruppe A13. Zurzeit wird an den Grundschulen in NRW, wo zu 91,2 Prozent Frauen unterrichten, nach A12 bezahlt. Auch die Eingangsbesoldung der Lehrer*innen an den Schulformen der Sekundarstufe I muss – so die GEW – entsprechend angehoben werden, da es für eine schulformabhängige Bezahlung der Lehrer*innen keine sachlichen Gründe mehr gibt.

"Mit dieser Diskriminierung, die insbesondere Frauen trifft, muss endlich Schluss gemacht werden", erklärte heute GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer anlässlich des Internationalen Frauentags am kommenden Dienstag (8. März). In einem in der letzten Woche veröffentlichten Gutachten für den GEW-Hauptvorstand haben Jurist*innen eine verfassungs- und europarechtswidrige mittelbare Diskriminierung bei der Bezahlung von Lehrkräften aufgrund des Geschlechts festgestellt.

"Grundschullehrer*innen haben Monat für Monat mehrere hundert Euro weniger im Geldbeutel", unterstrich Schäfer. So verdiene eine Grundschullehrkraft in der Besoldungsgruppe A12 in der Erfahrungsstufe 7 z. Zt. brutto 3.690,53 €, eine Lehrkraft in der Besoldungsgruppe A13 in derselben Stufe 4.111,83 €, eine Differenz von gut 420 €.

Die Beobachtung der Gewerkschaft: Je jünger die Kinder, desto größer sei der Frauenanteil im Kollegium. So unterrichten an den Haupt- und Realschulen im Landesdurchschnitt zu 66,7 bzw. 67,6 Prozent Frauen, an Gymnasien zu 58,5 und an Gesamtschulen zu 62,6 Prozent. An den Sekundarschulen sind es 70,3 und an den Förderschulen sogar 74,6 Prozent (MSW-Daten, Schuljahr 2014/15). Lediglich an den Berufskollegs ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen.

Bereits im Januar hat die GEW NRW ein Gutachten des namhaften Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Ralf Brinktrine, Universität Würzburg, präsentiert, demzufolge die schulformabhängige Besoldungseinstufung von Lehrkräften als verfassungswidrig zu werten ist.

"Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis: Es gibt keine sachlichen Gründe, Lehrkräfte an Grundschulen und an den Schulformen der Sekundarstufe I schlechter zu bezahlen: Hochschulausbildung und Vorbereitungsdienst sind genau so lang wie die der Lehrer*innen an anderen Schulformen. Im Lernprozess der Kinder leisten sie gleichwertige Arbeit", stellte Schäfer klar. "An Grundschulen wird das Fundament für die Bildungskarriere der Kinder gelegt. Hier werden nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt. Kinder erfahren zum Beispiel auch, wie man lernt und Verantwortung für sich selbst und andere übernimmt."

Hintergrundinformationen: Rechtsgutachten bestätigen rechtliche Bedenken

Mehrere Rechtsgutachten haben in jüngster Zeit die rechtlichen Bedenken der GEW gegen die ungleiche Bezahlung bestätigt. Alle weiteren Infos zum Thema und die Gutachten finden Sie auf der GEW-Website.

Ansprechpartner

Berthold Paschert
Pressesprecher
berthold.paschert@gew-nrw.de
+49 201 2940312