GEW-Fachtagung zur Inklusion

Nach wie vor dringender Handlungsbedarf

Nach wie vor ist der Erfolg der schulischen Inklusion in NRW stark gefährdet. Auch mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten des 9.Schulrechtsänderungsgesetzes sorgen schlechte Rahmenbedingungen an den Schulen für Klagen und Kritik. Die GEW sieht dringlichsten Handlungsbedarf und fordert mindestens 7000 zusätzliche Stellen und viel mehr Zeitressourcen.

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"Die Schulen brauchen nach eigenen Angaben vordringlich: mehr Stellenressourcen für die sonderpädagogische Förderung, mehr Zeitressourcen für Absprachen und Beratung, sowie für Fortbildungen und Supervision und mehr und bessere Räumlichkeiten für ein differenziertes pädagogisches Arbeiten. Nur so kann die Qualität des inklusiven Unterrichts und die Arbeits- und Lernbedingungen an den Schulen verbessert werden“, forderte Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf einer Fachtagung der Gewerkschaft in Bielefeld. Die GEW fordere seit Beginn des Inklusionsprozesses eine verlässliche Doppelbesetzung aus Regelschul- und Förderschullehrkraft für die Klassen des gemeinsamen Lernens. Keine Klasse solle mehr als 20 Schüler umfassen, davon maximal fünf mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.

Schäfer stellte auf der Fortbildungstagung „Inklusion – und wo bleiben wir?“ die wichtigsten Ergebnisse einer von der GEW in Auftrag gegebenen repräsentativen Onlineumfrage unter Schulleitungen aller Schulen in NRW vom Herbst letzten Jahres vor. Demnach forderten 75 Prozent der befragten Schulleitungen der allgemeinen Schulen mehr Stellen für sonderpädagogische Unterstützung. 53 Prozent dieser Schulleitungen halten eine zusätzliche Stelle und weitere 28 Prozent zwei zusätzliche Stellen für notwendig, um gute Arbeit im Gemeinsamen Lernen leisten zu können. 

"Nach den Erfahrungen mit der Umsetzung des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes zur Inklusion und vielfach gelebter schulischer Praxis des gemeinsamen Unterrichts aus den vergangenen Jahren dürfen diese Forderungen aus den Schulen nicht ungehört verhallen," bekräftigte die Vorsitzende der größten Bildungsgewerkschaft in NRW.
 
Die GEW setze sich laut Schäfer außerdem für die Einrichtung von Fachzentren für Inklusion zur Unterstützung der Schulen ein, um vor allem die Qualität des inklusiven Unterrichts zu steigern. In der Umfrage hätten sich 80 Prozent der Schulleitungen für eine zentrale Anlaufstelle für Inklusionsfragen vor Ort ausgesprochen, immerhin 64 Prozent der Befragten vermissten praxisorientierte Fortbildungen. 

„Das schulische Unterstützungssystem für die Inklusion muss dringend ausgebaut werden, und zwar nachhaltig. Wir fordern die institutionelle Einrichtung  von Fachzentren für Inklusion zur qualifizierten  multiprofessionellen Unterstützung und Beratung der Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler.  Diese Zentren sollen in jedem Schulamt zur Verfügung stehen und Angebote zur Diagnose, Beratung, Fortbildung und zum fachlichen Austausch machen“, führte Schäfer weiter aus. Als Basis und Anlaufstelle für eine kontinuierliche fachliche Qualifizierung, für den fachlichen Austausch der multiprofessionellen Teams in inklusiven Schulen, sowie für die Unterstützung und Beratung der Schulen seien diese Zentren unentbehrlich. Schäfer wörtlich: „Sie stellen darüber hinaus auch den Erhalt der sonderpädagogischen Expertise vor Ort sicher. Diese ist für gelingende Inklusion unverzichtbar.“
 
Onlineumfrage zur InklusionDie Berichte zu den Ergebnissen der Onlinebefragung und weitere Informationen finden Sie auf der Seite der GEW NRW zur Inklusion.

Ansprechpartner
Berthold Paschert
Pressesprecher
berthold.paschert@gew-nrw.de
+49 201 2940312