Gute Qualität in Kitas nur mit besseren Arbeitsbedingungen

Warnstreik: Eltern sollen Erzieher*innen unterstützen

Die GEW hat ihre Mitglieder in den Kitas in den Regionen Köln, Dortmund und Herne sowie Münster zum Warnstreik am Montag (23.3.) aufgerufen. An diesem Tag werden in Münster die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst fortgesetzt. Durch eine Neuregelung der Eingruppierungs- und Tätigkeitsmerkmale wollen die Gewerkschaften GEW und Ver.di Gehaltssteigerungen von durchschnittlich zehn Prozent erreichen.

"Im Durchschnitt liegt eine*r Erzieher*in mit 2.811,61 EURO um über 600 EURO unter dem statistischen Durchschnittsverdienst aller Vollzeitbeschäftigten. Daran muss sich schleunigst etwas ändern, sonst wird es bald keine motivierten jungen Leute mehr für diese wichtige Arbeit geben. Gute Bildung gibt es nicht umsonst", sagte Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, heute in Essen. Ihr Appell an die Eltern: "Selbst wenn es wehtut, rufen wir sie auf, auch im Interesse ihrer Kinder die Streiks in den Kitas zu unterstützen."

In NRW gibt es insgesamt über 9.000 Kindertageseinrichtungen (davon 25% in kommunaler Trägerschaft), in denen rund 95.000 Personen beschäftigt sind. Um auch künftig den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu gewährleisten, wird mehr qualifiziertes Personal gebraucht. Die GEW fordert nicht nur eine Steigerung der Attraktivität des Berufs, sondern setzt sich auch für größere berufliche Mobilität und Flexibilität ein. Berufliche Mobilität von Erzieherinnen wird - so die Kritik der GEW - durch das derzeitige Tarifsystem behindert oder bestraft.

Wechselt zum Beispiel eine*r Erzieher*in ihren Arbeitsort, kann sie selbst bei langjähriger Berufserfahrung in die Erfahrungsstufe 3 zurückfallen, was einer Gehaltseinbuße von rund 500 Euro brutto pro Monat entspricht. Allzu oft sparen die öffentlichen Arbeitgeber so auf Kosten der Angestellten - so der Vorwurf der GEW. Dorothea Schäfer verlangt: "Berufserfahrung im gleichen Arbeitsfeld ist immer in vollem Umfang anzuerkennen - unabhängig davon, bei welchem Arbeitgeber sie erworben worden ist."

In einem weiteren Punkt kritisierte die GEW-Landesvorsitzende die derzeitige tarifliche Praxis: "Wie absurd die Regelungen zur Eingruppierung für Erzieher*innen sind, erleben wir zum Beispiel immer wieder, wenn Kitas mehr Kinder unter drei Jahren aufnehmen. In der Regel wird dann die Zahl der Plätze in der Einrichtung verringert, um weiter gute Betreuungsqualität zu garantieren. Dies kann aber dazu führen, dass die Kita-Leitung trotz der gewachsenen Anforderungen weniger verdient, da ein Kriterium für das Gehalt die Platzzahl in der Einrichtung ist."