Flüchtlingskinder brauchen Bildung

Schulen tun ihr Bestes und brauchen beste Unterstützung

Die GEW sieht die Schulen im neuen Schuljahr vor größten Herausforderungen. Wenn schon die menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge die Kommunen vor fast unlösbare Probleme stellt, so gilt dies für die Durchsetzung des Menschenrechts auf Bildung für Flüchtlingskinder in besonderem Maße. Die Lehrer*innen sind bereit, hier ihren Beitrag zu leisten. Das belegt nicht zuletzt die große Zahl der pensionierten Kolleginnen und Kollegen, freiwillig ihre Hilfe und Unterstützung anzubieten. Angesichts der weiter steigenden Schülerzahlen fordert die GEW zusätzliche Stellen für Lehrkräfte und Sozialpädagogen, um die Unterrichtung schulpflichtiger Flüchtlingskinder, zumeist ohne Sprachkenntnisse und häufig traumatisiert, sicher zu stellen.

"Die Schulen werden in dieser schwierigen Lage ihr Bestes geben", erklärte Dorothea Schäfer, Vorsitzende der GEW in NRW, heute zu Beginn des neuen Schuljahres in Essen. "Wir erwarten von der Landesregierung, alles zu tun, um die Bedingungen für das Lehren und Lernen in den Schulen nachhaltig zu verbessern. 'Priorität für Bildung' muss die Maxime sein, insbesondere auch für diejenigen, die aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns gekommen sind." Aber auch ehrenamtliches Engagement sei willkommen. Schäfer wörtlich: "Wenn in diesen Tagen pensionierte Lehrer*innen ihre Hilfe anbieten, verdient das unseren Respekt und unsere Wertschätzung."

Nachbessern bei der Inklusion

Große Probleme gibt es nach wie vor bei der Umsetzung der Inklusion, weil vielerorts die personellen Ressourcen fehlen, um Klassen zu verkleinern und Kinder mit besonderem Förderbedarf zu unterrichten. Dies sei zu einer großen Belastung für die Schulen geworden. "Die Landesregierung muss im neuen Schuljahr deutlich nachbessern", verlangte Schäfer. "Die Aufnahmequote allein sagt nichts aus über den Erfolg der Inklusion. Die Qualität muss stimmen!" Die Probleme bei der Umsetzung der Inklusion sind facettenreich: mangelnde Unterstützung, fehlende ausgebildete Lehrkräfte und fehlende Steuerung vor Ort. Schäfer mahnte: "Es kann nicht im Interesse der Eltern sein, wenn ihr Kind an einer Regelschule weniger gefördert wird als an einer Förderschule." Enttäuschung gebe es auch bei den Schulen, die ihre erfolgreich erprobten Konzepte nicht mehr umsetzen können, weil erfahrene Lehrkräfte abgezogen wurden. Die Lehrkräfte fragen sich, so Schäfer, wie sie unter schlechteren Bedingungen etwas gleich gut machen sollen. Alarmierendes Zeichen sei, dass die Zahl der Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes bei Kindern wieder steige.

Ohne eine Reduzierung der Klassengrößen in den Inklusionsklassen auf 20 Schüler*innen und eine durchgängige Doppelbesetzung werde die Inklusion scheitern, unterstrich Schäfer. Deshalb müsse die Landesregierung auch nach 2015 alle frei werdenden Stellen zu dringend notwendigen Verbesserungen nutzen. Schäfer wörtlich: "Wenn die Schuldenbremse kein Schreckgespenst für Bildung werden soll, muss verhindert werden, dass die Unterfinanzierung der Schulen und die mangelnde Unterstützung der Lehrer*innen in diesem so wichtigen Reformprozess zum Dauerzustand werden."