Bildung und Qualität fördern – Personal gut bezahlen

Länderreport: Licht und Schatten

Licht und Schatten sieht die Bildungsgewerkschaft GEW bei den Daten des Länderreports Frühkindliche Bildungssysteme 2015, der heute von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht wurde.

Dem gesellschaftlichen Trend entsprechend sind in den Kindertagesstätten die Personalkapazitäten erhöht worden, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und der Bedarf an frühkindlicher Bildung haben zu einem sprunghaften Anstieg geführt. Die Personalaufstockung in den Einrichtungen ging allerdings zulasten der Vollzeitbeschäftigung von Erzieher*innen. Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten in den Kitas ist seit 1998 (76%) um rund 20 Prozentpunkte zurückgegangen und betrug 2014 nur noch 55%. Sorgen bereitet der Bildungsgewerkschaft auch die nach Bayern im Ländervergleich zweithöchste Befristungsquote, denn knapp ein Fünftel (19%) des pädagogischen Personals in NRW haben nur ein befristetes Beschäftigungsverhältnis.

"Die Ausweitung, aber eben auch Flexibilisierung der Angebotsstruktur in den Kindertageseinrichtungen und die unzulängliche Finanzierungsbasis schlägt sich deutlich in der Personalpolitik der Träger nieder. Die Tendenz zu prekärer Beschäftigung im Kita-Bereich muss im gesellschaftlich notwendigen System der frühkindlichen Bildung beendet werden. Erzieherinnen und Erzieher werden nicht nur unzureichend bezahlt, sondern sie arbeiten oftmals auch unter prekären Beschäftigungsbedingungen. Hier gilt es langfristig in die Qualität der Kindertagesstätten zu investieren und damit auch das Personal angemessen zu behandeln", erklärte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer unmittelbar nach Kenntnis der wichtigsten Daten des Reports.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass es in NRW noch Verbesserungsbedarf beim Personalschlüssel für Kindergartengruppen (Kinder von 3-6 Jahren) gibt. "Wir haben im U-3-Bereich deutlich aufgeholt, liegen aber insbesondere bei den Kindergartengruppen noch weit hinter den geforderten Standards", monierte Schäfer die Daten zu den Betreuungsrelationen. Der Personalschlüssel für Krippengruppen habe sich im Landesdurchschnitt zwar auf 1:3,6 verbessert und liege damit im westdeutschen Durchschnitt. Bei den Kindergartengruppen sei das Verhältnis aber deutlich schlechter (1: 9,5 in NRW, Westdurschnitt: 1:8,9).

"Die Qualität der frühkindlichen Bildung kann nur dann verbessert werden, wenn die Finanzierung gesichert ist - für gute Rahmenbedingungen, exzellente pädagogische Arbeit und angemessene Bezahlung des Personals. Deshalb fordert die GEW, die frei werdenden Mittel aus dem zu Recht gekippten Betreuungsgeld in den Qualitätsausbau von Kindertagesstätten zu investieren", so Schäfer abschließend.