Reformierter Vorbereitungsdienst in der Kritik

Junge GEW hat 4.000 Unterschriften gesammelt

In einer von der Jungen GEW initiierten Unterschriftenkampagne haben angehende Lehrkräfte ihre Kritik am reformierten Vorbereitungsdienst geäußert. Rund 4000 Unterschriften haben Vertreter der Jungen GEW heute am Rande des Sekundarschultages der GEW in Bochum an Ministeriumsvertreter Rainer Michaelis stellvertretend für Schulministerin Löhrmann übergeben. Die Kampagne stand unter dem Motto „Nein zu erzwungener Arbeitslosigkeit, willkürlicher Ausbildungsdauer, steigendem Prüfungsdruck und sinkenden Bezügen“.

Der reformierte Vorbereitungsdienst erinnere, so die Vertreter*innen der Referendar*innen und Junglehrer*innen, an die „Umstellung von G9 auf G8 für Lehrer*innen“. Die Dauer der Ausbildung sei zwar verkürzt worden, aber nicht deren Inhalte. „Die gleiche Anzahl von Unterrichtsbesuchen, die früher in 24 Monaten stattgefunden haben, nun in 18 Monate zu quetschen – das ist schon organisatorisch kaum zu schaffen“, gab Florian Beer, Sprecher der Jungen GEW und Ausbildungslehrer am Weiterbildungskolleg Gelsenkirchen zu bedenken.

Die ohnehin schon knapp bemessene Zeit sei zudem auch noch ungerecht verteilt. „Ich hatte das Pech, im Mai anzufangen, da blieb mir unterm Strich ein Monat weniger Zeit für die Ausbildung als wenn ich erst im November den Vorbereitungsdienst angetreten hätte“, klagte Christian Jänig, ehemaliger Seminarsprecher der Grundschullehramtsanwärter*innen in Solingen.

Große Sorgen bereiten den fertigen Lehramtsabsolventen auch die Einstellungsperspektiven in den Schuldienst. Arbeitslosigkeit ist vorprogrammiert, weil es praktisch keine Anschlussbeschäftigung nach dem Referendariat mehr gibt. „Es ist unfassbar, dass das Land als Monopolausbilder die fertigen Lehramtsanwärter*innen in eine dreimonatige Zwangsarbeitslosigkeit schickt“, meint Junge GEW-Sprecherin Hanna Tuszynski. Der Vorbereitungsdienst endet turnusmäßig Ende Oktober bzw. Ende April, die Einstellungen in den Schuldienst erfolgen jeweils erst zum neuen Schuljahr im August oder zum Schulhalbjahresbeginn am 1. Februar.

So liegt es für die engagierten Referendarvertreter*innen nahe, den gekürzten Vorbereitungsdienst als große Sparmasse zu sehen. Ein Teil der Ausbildung sei als unbezahltes Praxissemester ins Studium verlagert worden, die Stundenzahl sei um ca. 15% gestiegen. „Nicht nur, dass keine Zeit für die Begleitung durch Ausbildungslehrer*innen bleibt, ich erwirtschafte durch die Ausbildung auch noch die Arbeitslosigkeit fertiger Absolvent*innen.“, empört sich Christian Jänig. Denn der überwiegende Teil der geleisteten Unterrichtsstunden werde nicht nur selbstständig ohne fachliche Anleitung, sondern auch bedarfsdeckend erteilt und dadurch auch noch auf das Stellenbudget der Schule angerechnet.