Duisburg wird jünger und das ist gut so

Oberbürgermeister Sören Link nimmt Herausforderungen der Bildungslandschaft an

Die Einwohner*innenzahl der Stadt Duisburg wächst – und mit ihr die Herausforderungen. Damit das Leben und Zusammenleben unterschiedlicher Mileus und Kulturen funktioniert, macht Oberbürgermeister Sören Link Bildung und lebenslanges Lernen zum Kernthema.
Duisburg wird jünger und das ist gut so

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Sören Link, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg. Foto: Zoltan Leskovar

Im Interview erklärt Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, der auch zu Gast beim Gewerkschaftstag 2017 der GEW NRW unter dem Motto „Bildung gegen Spaltung“ sein wird, warum ihm Bildungsthemen so wichtig sind.

In Duisburgs Schulen treffen Kinder unterschiedlicher Milieus und Kulturen aufeinander. Welche Herausforderungen gehen damit für die Stadt Duisburg einher?

Zuwanderung ist für die Stadt Duisburg Chance und Herausforderung zugleich. Die Einwohner*innenzahl steigt, vor allem die Zahl der Kinder und Jugendlichen. Die Stadt wird jünger und das ist gut so. Zugleich bedeutet das aber auch, dass wir massiv in Bildung investieren müssen.

In Duisburg ist die Anzahl der Null- bis Zweijährigen zwischen 2014 und 2016 um 1.770 und die der Drei- bis Sechsjährigen um 1.300 gestiegen. Bei derzeit 28.000 Kindern zwischen null und sechs Jahren sind das beachtliche Zuwächse im Bereich der vorschulischen Bildung, die uns nicht nur wegen des Rechtsanspruchs auf Betreuungsplätze für unter Dreijährige enorm fordern.

Um Erfolge bei der Integration zu erzielen – auch bei schulpflichtigen Kindern – müssen wir vor Ort sein, dort, wo die Kinder und ihre Familien leben. Diesen Prozess unterstützen wir finanziell, aber auch mit dem Know-how des Kommunalen Integrationszentrums und der Akteur*innen vor Ort.

Für Duisburgs Bildungslandschaft haben Sie sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Alle Schulen sollen bis 2025 modernisiert werden sowie schnelles Internet haben, jedes Kind soll einen kostenlosen Büchereiausweis bekommen und der Kita-Ausbau wird weiter vorangetrieben. Wie realisieren Sie diese Pläne?

Das Projekt „Gute Schule 2020“ sorgt aktuell dafür, dass alle weiterführenden Schulen Duisburgs per Glasfaser an das Internet angeschlossen werden. Damit schließen wir noch vorhandene Lücken bei der Breitbandversorgung und unsere Schulen sind dadurch für die digitale Zukunft gerüstet. Anschließend werden wir unseren Grundschulen den Zugang zu Breitbandanschlüssen ermöglichen. Alle Schulformen Duisburgs werden so in der Lage sein, neue Medien in ihre didaktischen Konzepte einzubinden und gleichzeitig Medienkompetenz zu vermitteln.

Mithilfe von Bundes- und Landesprogrammen werden wir bis zu 160 Millionen Euro in die Schullandschaft investieren und unsere Schulen zu zukunftsfähigen Bildungseinrichtungen weiterentwickeln.

Den Bibliotheksausweis unserer Stadtbibliothek erhalten übrigens schon heute alle Duisburger Kinder kostenlos, die jünger als 13 Jahre sind. Das haben wir schon 2013 auf den Weg gebracht, da Leseförderung ein wichtiger Baustein für den Bildungserfolg ist. Heute nutzen bereits mehr als 9.000 Duisburger Kinder dieses Angebot.

Beim Kita-Ausbau haben wir seit 2012 mehr als 1.800 zusätzliche Plätze eingerichtet. Und das trotz der unbefriedigenden Landeszuschüsse für den Betrieb der Einrichtungen. Diesen Ausbau werden wir weiterhin vorantreiben.

Reichen diese Maßnahmen aus Ihrer Sicht, um mehr Bildungsgerechtigkeit in Ihrer Stadt herzustellen?

Mit großem Engagement kann man vieles auffangen – das weiß ich aus meinen regelmäßigen Besuchen an Duisburger Schulen. Und dennoch brauchen wir mehr Lehrer*innen. Dafür benötigen wir die Hilfe von Bund und Land. Anders geht es nicht. Man muss auch über neue finanzielle Anreize für Lehrer*innen sprechen. Sei es eine verbesserte Vergütung für Grundschullehrer*innen oder entsprechende Zulagen für Lehrer*innen, die in Sozialräumen mit besonderen Herausforderungen im Einsatz sind.

Die Stadt Duisburg nimmt finanzielle Mittel in die Hand, um weitere Impulse für mehr Bildungsgerechtigkeit zu setzen. So unterstützen wir seit Jahren die Sprachförderung unserer Vorschul- und Schulkinder. Mit Sprachcamps, Projekten wie „Rucksack“ und „Griffbereit“ sowie begleitend im Offenen Ganztag versuchen wir möglichst früh, existierende Defizite der Kinder aufzufangen und deren Eltern zu fördern. Wir wissen, dass jede Investition hier sinnvoll ist.

Als Stärkungspaktkommune muss Duisburg besonnen haushalten. Warum lohnt es sich trotzdem, in Bildung zu investieren?

Mir geht es darum, jungen Duisburger*innen das Rüstzeug zu geben, sich in einer immer schneller wandelnden Welt zurechtzufinden. Wer unser Bildungssystem erfolgreich durchläuft, hat alle nur erdenklichen Chancen, ihre*seine persönlichen Ziele zu erreichen. Natürlich gehört dazu eine entsprechende Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen. Und natürlich hilft es, wenn das in der eigenen Familie vorgelebt wird. Hier müssen wir ansetzen und den Eltern immer wieder erklären, wie wichtig es ist, ihren Kindern eine erfolgreiche Bildungslaufbahn zu ermöglichen.

Mit unserer gut ausgestatteten und hervorragend arbeitenden Volkshochschule leistet die Stadt Duisburg übrigens einen wichtigen Beitrag im Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung. So ist die Volkshochschule mit ihren Sprachkursangeboten, den Angeboten zum Nachholen von Schulabschlüssen sowie den Alphabetisierungskursen ein entscheidender kommunaler Bildungsakteur für den Abbau von Bildungsbenachteiligung.

Die Fragen stellte Jessica Küppers, Redakteurin im NDS Verlag.