Zum Schuljahr 2016/2017

Probleme angehen. Investieren.

„Vielfalt und Verlässlichkeit“ bezeichnet Sylvia Löhrmann als Markenzeichen der Schulpolitik der Landesregierung – so zumindest ist der Sprechzettel der Schulministerin für die jährlich wiederkehrende Schuljahresauftaktpressekonferenz 2016 überschrieben. Aus Sicht der GEW NRW ist verlässliche Schulpolitik gut, wenn sie Zeit für sinnvolle Schulentwicklung gibt, Probleme zur Kenntnis nimmt und Bereitschaft zur entschlossenen Nachsteuerung zeigt.

Foto: markusspiske/photocase.de

Im Schuljahr mit Landtagswahlen wäre es naiv, eine Schuljahresauftaktpressekonferenz zu erwarten, die Probleme in den Schulen in den Mittelpunkt rückt. Dennoch: Migration und Flucht, Inklusion, Lehrer*innenmangel, Schulzeitverkürzung und die Belastung der Lehrer*innen sind zentrale Themen, die in der Schuljahrespresskonferenz aus Sicht der GEW NRW beschönigend Erwähnung gefunden haben.

Migration und Flucht

Die Schuljahresauftaktpressekonferenz wäre idealer Ort gewesen, die Neuregelungen zum Unterricht neu zugewanderter Schüler*innen zu erläutern. In Übereinstimmung mit zahlreichen Expert*innen – auch bei der nachgeordneten Schulaufsicht – vermutet die GEW NRW weiterhin, dass die Zahl zusätzlicher Vorbereitungsklassen aus finanzpolitischen Gründen begrenzt werden soll. Würden bewährte Modelle der Bildung für Geflüchtete in Frage gestellt oder künftig verhindert, wäre das ein Rückschritt bei der Integration und eine weitere Belastung der Lehrer*innen in den NRW-Schulen.

Schulzeitverkürzung

Die Schulzeitverkürzung wird das zentrale schulpolitische Thema im Landtagswahlkampf. Zu befürchten sind populistische Festlegungen, die schnelle Besserung versprechen. Die schnelle Rückkehr zum alten G 9 oder eine Wahlmöglichkeit einzelner Schulen sind jedoch keine Lösung. Die GEW NRW tritt für eine Reform ein, die eine in allen Schulformen gleich lange Sekundarstufe I mit einer flexiblen gymnasialen Oberstufe kombiniert. Kurzfristig ist das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) gefordert, die Umsetzung der am Runden Tisch verabredeten Massnahmen zu verbessern und die Schulen besser zu unterstützen.  

Inklusion

Erneut belegen die Zahlen des MSW, dass die Inklusionsquoten sowohl in den Grundschulen als auch in den Schulen der Sekundarstufe I steigen. Sie betragen nun 44,8 Prozent in der Primarstufe und 40,5 Prozent in den weiterführenden Schulen. Die offensichtlich weiterhin bestehenden Probleme bei der Umsetzung des gemeinsamen Lernens finden keine Erwähnung. Die GEW NRW erwartet, dass die Landesregierung hier zeitnah umsteuert: mehr Personal, kleinere Lerngruppen und mehr Steuerung vor Ort. 

Lehrer*innenmagel

Hervorragende Einstellungsmöglichkeiten für Nachwuchslehrkräfte sind die eine Seite der Medaille, zahlreiche nicht zu besetzende Stellen und drohender Lehrkräftemangel die andere Seite. Wenn die Landesregierung davon ausgeht, dass der Mangel nur zwei bis drei Jahre bestehen wird, sind Zweifel angebracht. Die Bildungsgewerkschaft erwartet, dass die Landesregierung die Kompetenz der Personalräte und der Gewerkschaft nutzt, um gemeinsam Massnahmen zu entwickeln, die Anreize für Lehrer*innen enthalten. Langfristig ist eine Attraktivitätssteigerung des Berufs erforderlich.

Belastung der Lehrer*innen

Wer Aussagen zu den Arbeitsbedingungen der Lehrer*innen sucht, sucht vergeblich. Die zu hohe Arbeitszeit, mehr als eine Million bezahlter Mehrarbeitsstunden, unbezahlte Mehrarbeit in unbekanntem Umfang und kontinuierlich steigende Bealstungen am Arbeitsplatz erschweren notwendige Reformen und gute Schulentwicklung.