Mit G9 sinkt die Nachmittagsbelastung in der Pubertät

Im Interview: Uwe Voelzke ist Schulleiter am Mindener Besselgymnasiums

Schulen in NRW stehen vor der Entscheidung für oder gegen G9. Schulleiter Uwe Voelzke aus Minden erklärt im Interview, warum G8 für ihn und sein Gymnasium keine Option sein kann.
Mit G9 sinkt die Nachmittagsbelastung in der Pubertät

Foto: Dominik Buschardt

Warum ist das G8-Modell aus Ihrer Sicht keine Option für das Schuljahr 2018/2019?

Zunächst würde ich mir wünschen, dass es nicht nur eine Leitentscheidung gibt, sondern dass alle Gymnasien zu G9 zurückkehren. Das ist wichtig, damit es vor Ort nicht zu Problemen beim Schulwechsel kommt und neue Konzepte für die Gymnasien in Zukunft nicht erhebliche zusätzliche Arbeit erfordern, obwohl die meisten Gymnasien – mehr als 95 Prozent – zu G9 zurückkehren werden.

Aus meiner Sicht hat die Rückkehr zu G9 für die Schüler*innen der Sekundarstufe I den großen Vorteil, dass die Nachmittagsbelastung in der Pubertät deutlich gesenkt wird. Auch für Lehrkräfte kommt es zu einer Entlastung durch die Verringerung der Springstunden. Für den Fachunterricht erwarte ich, dass mehr Zeit zur Verfügung stehen wird zum Üben oder Freiräume für weitere Themen, um die Schüler*innen zu begeistern.

Aus Sicht der Schüler*innen der zukünftigen Oberstufe könnte das in der Sekundarstufe I schon erbrachte Stundenvolumen zu einer zeitlichen Entlastung in der neuen Oberstufe führen.

Wie hätten Ihre Schüler*innen, das Kollegium und die Eltern in dieser Frage entschieden?

Unter der Voraussetzung der bis dahin bekannten Informationen zu G8 beziehungsweise G9 haben alle drei Gremien Schüler*innenvertretung, Schulpflegschaft und Kollegium nach einer Diskussion mit überwältigender Mehrheit G9 empfohlen, sodass ich auch ein ähnliches Votum in der Schulkonferenz im Herbst 2018 für unsere Schule erwarte.

Wie schätzen Sie den Aufwand für die Lehrkräfte ein, der mit der Rückkehr zu G9 auf Ihre Schule zukommen wird?

Der Aufwand ist vergleichbar mit der Einführung von G8. Dieser kann deutlich verringert werden, wenn es gelingt, ausgearbeitete Modellschulcurricula auf Landesebene zu erstellen und den Schulen zur Verfügung zu stellen. Trotzdem müssen die einzelnen Gymnasien die speziellen Profile noch einarbeiten.

Erhöht wird der Aufwand durch zusätzliche neue Inhalte wie Berufsorientierung oder Wirtschaft beziehungsweise Verbraucher*innenbildung. Auch dieser Aufwand kann durch gute landesweite Ausarbeitungen verringert werden.

Wie gehen Sie künftig mit Schüler*innen um, die leistungsstärker sind und ein Abitur nach acht Jahren machen könnten?

Ich wünsche mir einen Förderkurs, der in den zukünftigen Klassenstufen 9 und 10 im G9-Modell nachmittags angeboten wird und in dem die leistungsstärkeren Schüler*innen, die das wollen, auf ein Überspringen der dann zukünftigen elften Jahrgangsstufe vorbereitet werden. Sie können die Zeit nutzen, um ein Auslandsschuljahr in der Jahrgangsstufe 11 zu machen oder zu überspringen.

Die Fragen stellte Jessica Küppers, Redakteurin im NDS Verlag.