Landesweite Streiks erhöhen den Druck

Noch kein Ergebnis in der Tarifrunde 2017

Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen, pädagogische Fachkräfte und Hochschulbeschäftigte erhöhen den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Insgesamt gingen am 1. Februar 2017 in allen fünf Regierungsbezirken über 2.000 Kolleg*innen auf die Straße. Lautstark und mit kreativen Streikaktionen forderten sie eine gerechte Bezahlung. Die GEW hatte zum Streik aufgerufen, nachdem auch die zweite Verhandlungsrunde im Tarifstreit kein Ergebnis gebracht hatte.
Landesweite Streiks erhöhen den Druck

Foto: Oliver Schaper

Bielefeld: Streikfrühstück und Stippvisite bei den GRÜNEN

Auf die Kolleg*innen aus Ostwestfalen-Lippe wartete im Bielefelder Streikbüro zunächst ein gemeinsames Frühstück. Dort brachten Michael Höland, Mitglied im Leitungsteam des Ausschusses für Tarifpolitik der GEW NRW, und Dietmar Winsel, Personalrat der GEW NRW, die Streikenden auf den aktuellen Stand der Tarifverhandlungen, bevor der große Demonstrationszug in die Bielefelder Innenstadt startete. Der Weg führte unter anderem am Carl-Severin-Berufskolleg und am Gebäude der GRÜNEN vorbei. Dort begrüßte die Kandidatin für den Bundestag Ute Koczy die Demonstrierenden. Zur Abschlusskundgebung stießen zahlreiche Kolleg*innen hinzu und es gab noch mehr Unterstützung: DGB-Organisationssekretär Werner Kellas überbrachte solidarische Grüße und ver.di-Gewerkschaftssekretärin Martina Schu forderte eine bessere Bezahlung im Sozial- und Erziehungsdienst sowie die Eindämmung von Befristungen. Anschließend legte Hauptredner Andreas Gehrke die Forderungen der GEW dar – insbesondere die Erfahrungsstufe 6 für die Entgeltgruppen 9 bis 15.

Sabine Unger, Vorsitzende der GEW Detmold

Dortmund: Volles Haus und Pasch 6

Um 8.30 Uhr standen Kaffee und Brötchen bereit, das Streiklokal war eröffnet und sie kamen: Bis zum Beginn der Demonstration hatten sich gut 450 Kolleg*innen im Dietrich-Keuning-Haus in der Dortmunder Nordstadt zusammengefunden. Martin Roth begrüßte für den Arbeitskreis Tarifpolitik der Dortmunder GEW die Streikenden. Videos und Fotos erinnerten an vorangegangene Streikaktionen, bevor es brandaktuell wurde: ver.di-Geschäftsführer Michael Bürger berichtete über die Aktivitäten vor Ort. Sebastian Krebs, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW NRW, schilderte die unnachgiebige Haltung der Arbeitgeber.
Dann startete der eindrucksvolle Demonstrationszug durch die Dortmunder Innenstadt. Vorne sorgte die Trommelgruppe für Stimmung. Die großen GEW-Luftballons und Würfel mit der Kernforderung „Pasch 6 = 6 % und Stufe 6“ waren der Blickfang. Auf der abschließenden Kundgebung unterstrich Stefan Marx für den DGB NRW, dass die Beschäftigten im Bildungssektor nicht allein kämpfen, und berichtete über die Aktion „Die Rente muss reichen“ des DGB NRW. Sebastian Krebs machte deutlich, dass die Beschäftigten in Schulen und Hochschulen für ihre Arbeitsleistung auch einen gerechten Lohn bekommen müssen.


Volker Maibaum, Mitglied im Leitungsteam der GEW Dortmund

Düsseldorf: Schüler*innen erklären sich solidarisch

„Norbert, rück' die Kohle raus!“ Der Ruf der Streikenden vor dem Finanzministerium in Düsseldorf war nicht zu überhören. Die rund 500 Teilnehmer*innen der Demonstration vom DGB-Haus in der Friedrich-Ebert-Straße zum Arbeitgeber in der Jägerhofstraße machten mindestens Krach für 1.000. Sie heizten NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans in der Kälte nochmals ordentlich ein. 
Der Tag hatte zuvor mit einem Streikfrühstück angefangen – und mit einer Premiere bei den Grußadressen: Drei Schülerinnen der Bezirksschüler*innenvertretung erklärten sich solidarisch mit den streikenden Lehrer*innen. Sie betonten, dass sie mit ihren Lehrer*innen zwar nicht immer Konform gingen – zum Beispiel bei den Hausaufgaben –, aber die berechtigten Anliegen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit immer unterstützten! GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer dankte ihnen herzlich.


Dr. Sylvia Burkert, Mitglied im Leitungsteam der GEW Düsseldorf

Köln: Demozug legt Hauptverkehrsstraße lahm

Nach dem Eintragen in die Streiklisten und dem Streikfrühstück begann die Kundgebung mit mehreren hundert angestellten Lehrkräften und Hochschulmitarbeiter*innen auf dem Hans-Böckler-Platz mit dem Kabarettisten Robert Griess. In einem Rundumschlag auf die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse der vergangenen Jahre  brachte Robert Griess die versammelten Kolleg*innen aus Bonn, Aachen, Siegen, Köln und weiteren Orten der Umgebung richtig in Stimmung.
Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW Rheinland-Pfalz, informierte über die aktuellen Tarifverhandlungen und motivierte die Anwesenden, sich auch weiterhin kämpferisch zu zeigen und an ihren Forderungen festzuhalten. Die anschließenden Redebeiträge kamen direkt von betroffenen Kolleginnen und Kollegen, die ihre frappierenden Lohnunterschiede in Zahlen benannten und aus ihren Arbeitssituationen an Schule und Hochschule berichteten.
Die Streikenden legten danach mit einem langen Demonstrationszug vorübergehend die Hauptverkehrsstraße in Köln lahm und zogen, angeführt durch einen Traktor mit plakativen Forderungen der Kolleg*innen, mit Sprechchören mitten durch die Kölner Einkaufsmeile zur Bezirksregierung. Dort wurde lautstark das riesige Geschenkpaket von Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann enthüllt – ein Ballon mit heißer Luft.


Jutta Jilg, Geschäftsstelle GEW Köln

Münster: Mit Trommeln und Tröten in die Altstadt

Im Streikbüro trafen sich Kolleg*innen aus dem ganzen Münsterland und bereiteten dort ihren großen Demonstrationszug vor. Rund 300 Tarifbeschäftigte und ihre Unterstützer*innen zogen Richtung Münsteraner Altstadt. Zwischen den historischen Gebäuden fiel die Bühne ganz besonders auf. Angestellte sind keine Lehrer*innen zweiter Klasse! Da war sich die Menge einig.
„Das war ein starker und kraftvoller Auftakt für 6 Prozent mehr Gehalt“, fasst Ulrich Thoden, stellvertretender GEW-Stadtverbandsvorsitzender, den Streiktag zusammen. Unterstützt wurden die Streikenden durch eine Trommelgruppe und die Band „Cuppatea“, die die Kundgebung mit Kulturbeiträgen unterstützte.
Maike Finnern, die stellvertretende Landesvorsitzende der GEW sprach die Hauptrede bei der Abschlusskundgebung und machte deutlich, dass ein gutes Tarifergebnis nur durch ein gemeinsames und entschlossenes Demonstrieren erreicht werden kann. Die Arbeitgeber sind aufgefordert endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen.


Carsten Peters, Geschäftsführer Regionalgeschäftsstelle GEW Münsterland

Über 2.000 Kolleg*innen in NRW auf der Straße