Besser verstehen durch Visualisierung

Visualisierung als Methode in allen Unterrichtsfächern

Wenn Schüler*innen Gelerntes visualisieren, begreifen sie die einzelnen Zusammenhänge besser. Davon ist Autor Ludger Brüning überzeugt. Beim Bochumer Kongress stellte er die Methode in seinem Forum „Visualisierung. Die Kraft von Concept Maps und Co“ vor. Zum Nachlesen gibt’s alles im Buch „Erfolgreich unterrichten durch Visualisieren – Die Kraft von Concept Maps & Co“. Die Neuauflage von Tobias Saum und Ludger Brüning hat der NDS Verlag herausgegeben.

Foto: Christian Schwier/Fotolia

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Welches Potenzial steckt in der Visualisierung von Lernstoff für den Unterricht?

„Jetzt erst verstehe ich, wie das alles zusammenhängt!“ Von diesem erstaunten Ausruf eines Schülers berichtete uns eine Mathematikkollegin ganz begeistert. Sie hat Visualisierungen zu einem Teil ihres Unterrichts gemacht, obwohl sie anfänglich dachte, dass die Methode im Fach Mathematik wenig Raum habe. Jetzt fassen ihre Schüler*innen immer dann, wenn eine Unterrichtseinheit abgeschlossen ist, die Dinge grafisch zusammen. Nicht umsonst betont der Lernpsychologe Walter Edelmann, dass es darum gehen muss, dass Schüler*innen sich einen Überblick über einen Bereich verschaffen müssen. Und dann begreifen sie ganz schnell, wie einzelne Teilgebiete zusammenhängen. Dieses Begreifen wird durch Visualisierungen sehr gefördert. Wenn Schüler*innen Visualisierungen anfertigen, müssen sie darüber nachdenken, was sie zu Papier bringen. Daher wirken sie immer auch kognitiv aktivierend. Oft sind Visualisierungen auch noch motivierend – fertige Visualisierungen sind häufig auch optisch ein Hingucker und stimmen optimistisch.

Inwiefern können Visualisierungen im Kooperativen Lernen eingesetzt werden?

Visualisieren meint für uns, dass Schüler*innen einen Sachzusammenhang durch die Anordnung von Kernbegriffen anschaulich machen. Das müssen zunächst alle Lerner*innen selbst leisten. Daher ist ein solches Vorgehen nicht zwingend mit dem Kooperativen Lernen verbunden. Concept Maps, Venn-Diagramme oder Wortsterne lassen sich in jeden Unterricht integrieren und die Schüler*innen profitieren davon. Wenn Schüler*innen allerdings die Gelegenheit bekommen, ihre Visualisierungen nach einem ersten individuellen Entstehungsprozess mit Partner*innen abzugleichen, dann werden vielleicht Widersprüche, Fehler oder Lücken sichtbar. Im Idealfall ergänzen sich Schüler*innen in der Phase gegenseitig. Unsere Schüler*innen legen dann aber dennoch meist eine individuelle Visualisierung an. Denn so hat jede*r ein eigenes Ergebnis und wir können auch erkennen, wer welche Leistung erbringt.

Wie können sich Lehrkräfte Methoden der Visualisierung unkompliziert aneignen?

Das ist eine sehr gute Frage. Wir sind der Meinung, dass Lehrpersonen nicht gleich zehn oder 15 Visualisierungen beherrschen müssen. Es reicht oft schon aus mit einer Visualisierungsform zu beginnen, die zum eigenen Unterricht und Fach passt. Diese Form, zum Beispiel der Wortstern, kann die Lehrperson dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Unterricht oder auch als Hausaufgabe anlegen lassen. Wer dazu selbst einen Wortstern anlegt, wird sehr schnell erkennen, worauf es ankommt. In unserem neuen Buch bieten wir viele Hinweise für die Praxis, Schüler*innenbeispiele und Übungen mit Lösungsvorschlägen. Eigentlich müsste so jede Lehrperson schnell einen eigenen Zugang finden. Ein Bleistift, ein Bogen Papier und vielleicht noch ein Radiergummi, dann kann es schon losgehen.

Die Fragen stellte Sherin Krüger.