Digitalisierung und Datenschutz

Wie ist Bildung in der digitalisierten Welt zu gestalten, und was muss sie leisten? Das Strategiepapier des Bundesbildungsministeriums, „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“, definiert: „Um die Potenziale digitaler Medien beim Lehren und Lernen systematisch auszuschöpfen, müssen Lehrende befähigt werden, digitale Kompetenzen zu vermitteln und dabei auf passgenaue didaktische Konzepte zum Lernen mit digitalen Medien zurückgreifen können.“

Richtig und ambitioniert ist das daran anknüpfende Ziel der Landesregierung, „alle Schülerinnen und Schüler fit zu machen für die moderne, digitalisierte Welt – sie mit Lern- und Medienkompetenzen auszustatten, damit sie sich in der aktuellen (und zukünftigen!) digitalen Welt zu Recht finden und aktiv, reflektiert und selbstbestimmt an der modernen Gesellschaft teilhaben können.“

Die GEW NRW setzt sich darüber hinaus für Chancengleichheit sowie kreative und produktive Beteiligung in der digitalen Gesellschaft ein. Die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen sind jedoch derzeit unzureichend – technisch, personell und finanziell.

Handlungsfelder und Konzepte

Das Ministerium für Schule und Bildung (MSB) definierte fünf Handlungsfelder, die unterstützt und gefördert werden sollen, um erfolgreiches Lernen in der digitalen Welt zu ermöglichen:

  • Basis-IT-Infrastruktur (LOGINEO NRW)
  • Medienkompetenz (Medienpass NRW/Medienkompetenzrahmen NRW)
  • Ausstattung (BYOD)
  • Lernmittel (learn:line NRW, digitale Schulbücher)
  • Beratung & Fortbildung (Medienberater+innen/Kompetenzteams).

Das Leitbild „Lernen im digitalen Wandel – Unser Leitbild 2020 für Bildung in Zeiten der Digitalisierung“ wurde in einem breiten Diskurs noch von der früheren Landesregierung entwickelt und markiert Ziele, Handlungsmöglichkeiten und Orientierungen in diesem Transformationsprozess.

Für eine zeitgemäße curriculare Umsetzung des Leitbildes wurde der Medienkompetenzrahmen NRW neu gefasst. Er dient als erweitertes, auf nationale und internationale Entwicklungen abgestimmtes Instrument für die systematische Vermittlung von Medienkompetenz. Alle Schulen sollen auf dieser Grundlage ihre Medienkonzepte überarbeiten. Ein spezieller Medienkompetenzrahmen für Lehrkräfte soll in Zukunft entsprechende Anforderungen formulieren.

Die zur Unterstützung der schulischen Arbeit konzipierte digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform LOGINEO NRW konnte aufgrund technischer Probleme nicht wie geplant zum Schuljahresbeginn an den Start gehen. Nach einer Test- und Pilotphase ist die schrittweise Umsetzung des Regelbetriebs jetzt für das Frühjahr 2019 geplant.

Datenschutz

Neben diesen Entwicklungen gerieten in jüngster Zeit insbesondere Datenschutz und Datensicherheit in den Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Mit der neuen Dienstanweisung des MSB, „Automatisierte Datenverarbeitung“, und der Anlage „Genehmigung für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Schule durch Lehrkräfte zu dienstlichen Zwecken auf ADV-Anlagen von Lehrkräften“ stehen alle Lehrer*innen vor schwerwiegenden Entscheidungen, die den Datenschutz  und eventuelle Haftungsfragen betreffen. Die neue Dienstanweisung stellt nämlich hohe Anforderungen an die private Nutzung von Computern.

Die neue Dienstanweisung des Schulministeriums führte zu Debatten in den Lehrer*innenzimmern: Soll man die vom obersten Dienstherren verlangte Erklärung unterschreiben oder nicht? Der Gesetzgeber sagt, rechtlich verantwortlich für die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen bei der Verarbeitung der dienstlichen personenbezogenen Daten seien die Schulleitungen. Der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (LDI) sieht sie – angesichts der Risiken bei der Datenverarbeitung – dazu indes nicht in der Lage. Die GEW NRW sagt: Der Dienstherr ist verantwortlich, nimmt diese Verantwortung bislang aber nicht wahr.

Die GEW NRW setzt sich dafür ein, dass das Land NRW ausreichend dienstliche Endgeräte für alle Lehrkräfte zur Verfügung stellt. In einem Musterschreiben, das die GEW NRW für ihre Mitglieder herausgegeben hat, heißt es an die Adresse des Schulministeriums gerichtet: „Ich möchte Sie daher bitten, mir für meine Arbeit  ADV-Anlagen wie z.B. ein Notebook zur ausschließlichen dienstlichen Nutzung bereitzustellen, welche durch die behördliche schulische IT des Schulträgers oder des Landes NRW vorab geprüft, datenschutzgerecht eingerichtet und administriert worden sind. Nur so sind mir die Sicherung des Datenschutzes und die zeitnahe Bewältigung meiner dienstlichen Aufgaben weiterhin möglich.“

Seit dem 25. Mai 2018 gilt zudem die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auch für Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kindertageseinrichtungen und Hochschulen. Auch sie müssen jetzt eine*n Datenschutzbeauftragte*n bestellen und ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten für personenbezogene Daten erstellen.