Ausbildung/Vorbereitungsdienst

Die Ausbildung im Vorbereitungsdienst dauert 18 Monate. Sie findet zu unterschiedlichen Teilen an den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und an den Ausbildungsschulen statt. Grundlage ist das für NRW verbindliche und strukturierte Kerncurriculum. 

In der Regel wird die Ausbildung in zwei Fächern der Masterprüfung oder der Ersten Staatsprüfung durchgeführt. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung wird laut § 9 der Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung (OVP) von der Leitung des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) getragen, die Verantwortung für die lehramtsbezogene Ausbildung tragen die Seminarleiter*innen. Die Schulleitung der Ausbildungsschule ist für den Unterricht der Lehramtsanwärter*innen (LAA) verantwortlich (§ 9 OVP). Diese Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sind für die Ausbildung, vor allem dann, wenn es Probleme gibt, bedeutsam. ZfsL- und Schulleitung sollen im Interesse der Ausbildung zusammenarbeiten (§ 9 OVP). Das Interesse an einer qualifizierten und reibungslosen Ausbildung der LAA ist für die GEW oberste Prämisse.

 

Ausbildung an Schulen

Die schulpraktische Ausbildung findet an Schulen auf der Grundlage des gemeinsamen Kerncurriculums statt. Die Ausbildung umfasst gemäß § 11 (1) OVP Hospitationen und Ausbildungsunterricht. Sie erstreckt sich auf alle Handlungsfelder des Lehrberufs, die im Kerncurriculum ausgeführt werden. Im Benehmen mit der Seminarleitung setzt die Schulleitung die LAA im selbstständigen Unterricht ein. Dabei gibt die OVP vor, dass die Belange der Ausbildung und die Wünsche und Ausbildungsinteressen der LAA angemessen zu berücksichtigen sind. Nutze diese Einflussnahme!

Für die Unterrichtsbesuche müssen die Termine mit den Ausbilder*innen abgestimmt werden. Rechtzeitige Planung ist ratsam. In beiden Fächern sind insgesamt zehn Unterrichtsbesuche zu absolvieren, für die jeweils eine kurze schriftliche Planung vorgelegt werden muss.

 

Ausbildung am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung

Für die Ausbildung am ZfsL stehen durchschnittlich sieben Stunden zur Verfügung, für die Ausbildungsveranstaltungen dort ist wöchentlich ein Tag reserviert. LAA sind zur Teilnahme an den Ausbildungsveranstaltungen verpflichtet (§10 (1-3) OVP). Die OVP macht auch Vorgaben zur Größe der Ausbildungsgruppen: „An den überfachlichen Ausbildungsgruppen eines Seminars nehmen in der Regel 20, im Durchschnitt des Seminars mindestens 15 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter teil“ (§ 10(3) OVP). Verpflichtender Bestandteil der Ausbildung ist die personenorientierte Beratung (§ 10(4) OVP).

Aufgaben der Ausbildungsbeauftragten

Zu den Aufgaben von Ausbildungsbeauftragten gehören laut § 13 OVP „die Unterstützung der Kooperation zwischen Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und Schulen“ und „die ergänzende Beratung und Unterstützung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter“.

Damit sind sie die wichtigsten Ansprechpartner*innen für die Lehramtsanwärter*innen im Kollegium der Schule. Die Ausbildungsbeauftragten werden von der Schulleitung im Benehmen mit der Schulkonferenz bestimmt (§ 13(1) OVP). Zu ihren weiteren Aufgaben gehören „die Koordination von Lehrerausbildung innerhalb der Schulen“ – also nicht nur der Referendar*innenausbildung, sondern der Ausbildung insgesamt, wozu beispielsweise auch das Praxissemester gehört –  sowie „die Beratung der Schulleitungen“. Zwei Aufgaben, die beide eher zu den erweiterten Schulleitungsaufgaben gehören. Das zeigt sich insbesondere bei der Beurteilung der LAA, denn Ausbildungsbeauftragte haben maßgeblichen Einfluss auf die Abschlussnote der Schulleitung: „Die Schulleiterin oder der Schulleiter soll vor abschließender Erstellung der Langzeitbeurteilung der oder dem Ausbildungsbeauftragten Gelegenheit zur Stellungnahme zum vorgesehenen Gesamtergebnis geben“ (§ 16(3) OVP). Ausbildungsbeauftragte sollen regelmäßig selbst als Ausbildungslehrer*innen tätig werden und an den Eingangs- und Perspektivgesprächen an ihrer Schule teilnehmen.

Ausbildungslehrer*innen – deine Mentor*innen an der Ausbildungsschule

Ausbildungslehrer*innen sind diejenigen Lehrer*innen an der Ausbildungsschule, bei denen du zunächst hospitierst und anschließend auch selbst unterrichtest. Sie sind damit die wichtigsten kollegialen Unterstützer*innen im angeleiteten Ausbildungsunterricht. Versuche auf die konkrete Auswahl dieser Person Einfluss zu nehmen, indem du sie dir selbstständig aussuchst und dein Interesse vorbringst. Die Ausbildungslehrer*innen müssen ein Gutachten am Maßstab der Kompetenzen und Standards der Ausbildung erstellen, das in die Abschlussbeurteilung der Schulleitung (Langzeitbeurteilung, § 16 OVP) einfließt, aber keine Note enthält – im Gegensatz zu den Beurteilungsbeiträgen der Fachleiter*innen. Zu jedem Gutachten hast du das Recht, dich schriftlich zu äußern.

Ausbildungsunterricht als Übungsfeld für LAA

Ausbildungsunterricht im Verständnis der OVP ist das schulpraktische Übungsfeld für LAA, das zunächst von den Ausbildungslehrer*innen verantwortet wird. Aber auch der von LAA allein verantwortete Bedarfsdeckende Unterricht (BdU) ist Ausbildungsunterricht. Der Gesamtumfang des Ausbildungsunterrichts beträgt 14 Stunden pro Woche – eine immense Belastung für die LAA. Von diesen 14 Stunden unterrichtest du durchschnittlich neun Stunden pro Schulhalbjahr bedarfsdeckend. Für den Unterricht unter Anleitung bleiben also auf Grund des hohen BdU-Anteils relativ wenige Stunden.

Gemeinsames Kerncurriculum in NRW

Mit der reformierten Lehrer*innenausbildung in NRW gibt es ein gemeinsames verbindliches und strukturierendes Kerncurriculum für die ZfsL und Ausbildungsschulen. Es verfolgt die Ziele: landesweite Vergleichbarkeit der Ausbildung, Verzahnung der Ausbildungsbereiche (fachliche und überfachliche Ausbildung sowie Ausbildungsschule), Gewährleistung nachhaltiger Ausbildungsqualität und Transparenz für die Lehramtsanwärter*innen.

Das Kerncurriculum behandelt unterschiedliche Handlungsfelder und konkretisiert diese durch praxisrelevante Handlungssituationen, von denen es heißt: „LAA haben gegenüber Schule und ZfsL den Anspruch, in allen Handlungssituationen ausgebildet zu werden.“ Dazu werden im Kerncurriculum die Handlungssituationen exemplarisch durch Erschließungsfragen bearbeitet, die in der Ausbildung dann durch deine Fragen als LAA modifiziert, ergänzt oder ersetzt werden sollen. Den Erschließungsfragen folgen die dazu gehörenden Ausbildungsinhalte sowie die entsprechenden Kompetenzen und Standards. Damit soll dem Anspruch der individuellen Professionalisierung der LAA entsprochen werden.

Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Staatsprüfung (OVP)

Die OVP ist der rechtliche Rahmen des Vorbereitungsdienstes. Sie regelt Ablauf und Struktur, enthält besondere Vorschriften für die Ausbildung in den einzelnen Lehrämtern und umfasst alle wichtigen Vorschriften für die Staatsprüfung. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der OVP sind die in der Anlage 1 enthaltenen Kompetenzen und Standards für die Ausbildung.

 

Kompetenzen und Standards für die Ausbildung

Als Anlage 1 sind die Kompetenzen und Standards für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst und die Staatsprüfung obligatorischer Teil der OVP und definieren damit maßgeblich die Inhalte der Ausbildung in Schule und Seminar bis hin zur Prüfung. Sie korrespondieren mit dem verbindlichen Kerncurriculum, das die Ausbildung im Vorbereitungsdienst „konturiert und strukturiert“. Gemäß der OVP-Anlage konkretisiert sich der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Lehrer*innen in sechs Handlungsfeldern, in denen elf professionelle Handlungskompetenzen (KMK-Beschluss v. 12. Juli 2014) erworben werden können. Besonders herausgestellt wird das Handlungsfeld „Vielfalt als Herausforderung annehmen und als Chance nutzen“ – es soll das richtungsweisende Handlungsfeld für die Lehrer*innen darstellen. Die Kompetenzen und Standards prägen nicht nur das Ausbildungsprogramm von ZfsL und Schulen, sondern bieten auch vielfältige Chancen für kollektive Diskussionen im Seminar und darüber hinaus auch für eine selbstständige Reflexion der eigenen Ausbildung und der weiteren Entwicklung von Professionalität und individueller Persönlichkeit als Lehrer*in.

Wöchentlicher Seminartag

Den Seminarveranstaltungen wird durch die OVP (§ 10(2)) wöchentlich ein Tag zur Verfügung gestellt. Die GEW NRW befürwortet den Seminartag, da er beispielsweise Möglichkeiten zu Austausch und Kooperation unter den LAA bietet. Außerdem ist der Zeit- und Organisationsaufwand für die Ausbildung am Seminar für die LAA geringer.

Unterrichtsbesuche und Lehrproben

Unterrichtsbesuche dienen sowohl der Anleitung, Beratung, Unterstützung als auch der Benotung durch die Ausbilder*innen. Benotet werden Unterrichtsbesuche nur durch die Fachleiter*innen, nicht durch die überfachlichen Ausbilder*innen. Die beiden Funktionen Beratung und Benotung sind nicht oder nur schwer zu trennen, und so wird eigentlich jeder Besuch in die Benotung der Fachleitung eingehen, egal, ob er als Beratungs- oder Benotungsbesuch tituliert worden ist.

Lehrproben werden für viele LAA sinnvoller, wenn es ermöglicht wird, andere LAA daran teilnehmen zu lassen und auch in der Nachbesprechung in dieser Runde zu diskutieren. So lernen alle etwas dabei. Das Hinzuziehen von Ausbildungslehrer*innen ist in der Regel äußerst sinnvoll, denn nur sie kennen die Klasse gut genug, um etwas über das Umfeld der Unterrichtsstunde zu sagen. Es ist möglich, dass Ausbilder*innen zusammen eine Lehrprobe durchführen. Dies führt zu einer terminlichen Entlastung beider Seiten und ist in der Nachbesprechung häufig aufschlussreicher als die Sicht einer Einzelperson.

„In den beiden Fächern finden, auch im Rahmen des selbstständigen Unterrichts, in der Regel insgesamt zehn Unterrichtsbesuche statt, zu denen die Lehramtsanwärterin oder der Lehramtsanwärter eine kurzgefasste Planung vorzulegen hat“ (OVP §11(3)). Die Termine sollen ausdrücklich zusammen mit der LAA festgelegt werden und nicht einseitig von den Ausbilder*innen. Dasselbe gilt auch für Unterrichtsbesuche bei Seminarausbilder*innen und LAA-Kolleg*innen, die beides sinnvolle und bewährte Elemente der Ausbildung darstellen. Ohnehin gilt: Plane deine Unterrichtsbesuche nach deinen Vorstellungen und Bedürfnissen und besprich das rechtzeitig mit deinen Ausbilder*innen. Verteile deine Unterrichtsbesuche außerdem frühzeitig in Absprache mit den Ausbilder*innen auf den in Frage kommenden Zeitraum, dann kommst du zur Prüfungszeit nicht unnötig in Stress.

Infos und Service zu Ausbildung

Stand: August 2019